Liebe, Freizeit und Stress…. der tägliche Wahnsinn

Erst vor kurzem habe ich einen Artikel gelesen in dem es darum ging, ob das Arbeiten in der Pflege krank macht. Statistisch gesehen sind Pflegende öfter krank, als Personen in anderen Berufsgruppen.

Viele wissen ja, dass ich als Krankenschwester arbeite. Seit 2011 bin ich, um es beim „echten“ Namen zu nennen, „Staatlich examinierte Gesundheits-& Krankenpflegerin“. Daher kann ich dieses Thema für mich doch recht realistisch betrachten. Die Frage, ob die Arbeit in der Pflege krank macht kann ich aktuell mit JEIN beantworten.

 

Jeder ist seines Glückes Schmied…

 

…so heißt es doch so schön! Und getreut dem Motto „Irgendetwas ist ja immer“ muss ich wirklich sagen, dass ich an manchen Tagen beruflich gesehen klar an meine Grenzen stoße. Das betrifft nicht die Arbeit und die Versorgung der Patienten, das betrifft eher mich persönlich.
Viele sagen „Wow, Krankenschwester wäre ich auch gern geworden!“ als ich 2008 in die Ausbildung gegangen bin war es der Traumberuf schlecht hin! Aber Nachteile, die es wohl in jedem Job gibt, merkt man erst mit der Zeit.
Schlaflosigkeit, Müdigkeit und ständig wechselnde Schichten gehören für mich zum Alltag dazu. Schlaflosigkeit leider immer wieder in den Phasen, wo ich mich beruflich gesehen sehr gestresst fühle.
Zum Glück habe ich eine Chefin, die mich meist im Spätdienst und im Nachdienst einsetzt, dafür weniger im Frühdienst. Ich bin absolut kein Frühaufsteher und der Tag beginnt schon stressig, wenn ich weiß, dass ich 6 Uhr auf Arbeit sein muss. Aber darum soll es heute nicht gehen, das nur am Rande.

Vielmehr muss ich sagen, dass mich momentan immer mehr belastet, wie mein Dienstplan gestaltet ist. Ich selber fühle mich momentan, als müsste ich 120 % leisten, habe aber nie das Gefühl, als würde ich mal runter kommen. Das Durazell Häschen ist glaube ich momentan der richtige Begriff für mein Empfinden. Ich habe einen Vertrag für 40 h/ Woche, das heißt rein rechnerisch müsste ich 5 Tage in der Woche arbeiten. Da ich zu Wochenenddiensten verpflichtet bin ist mir absolut einleuchtend, dass ich auch mal eine ganze Woche, sprich 7 Tage durch arbeiten muss. Das ist auch absolut kein Problem für mich, wenn man dann einen Ausgleich hat. Doch wenn der Ausgleich besagt 7 Tage Dienst, einen Tag Frei und 5 Tage Dienst, dann fragt man sich schon, wo bleibt die Erholung?! Auch bei einem Tag frei, einem Tag Dienst, wieder frei und wieder Dienst ist die Erholung und die Freizeit gänzlich NULL! Doch auch mit diesen Konstellationen kommt man auf seine Muss Stunden an Frei. Klingt verrückt aber ist eben so.

Doch da aufregen nichts bringt und mit den Stunden runter gehen für mich momentan keine Option ist, muss ich einfach an mir selbst und den Gegebenheiten arbeiten!

 

Freie Momente bewusst erleben

Hausarbeit ist ja Punkt Eins der Killer in der Freizeit. Alles was liegen geblieben ist, wird an freien Tagen erledigt. Doch kleine Helferlein und Tricks verschaffen mir etwas mehr Freiraum.
So schätze ich es sehr, dass ich einen Mann habe, der mir im Haushalt viel abnimmt. Egal ob das Wäsche waschen ist oder Frühstück vorbereiten! Er ist und bleibt mein Goldschatz und darüber bin ich ihm sehr dankbar.
Doch auch einfach mal jeden Tag einen kleinen Handgriff im Haushalt tun hilft ungemein.
Auch kenne ich es nur zu gut, wenn ich dann endlich mal Frei habe und mich nichts und niemand von der Couch bekommt. Doch Couchtage sind zwar schön und gut, machen mich persönlich am Ende des Tages aber unzufrieden, da irgendwie nichts passiert ist.

So versuche ich doch immer mehr mir in meine freien Tage tolle Momente zu legen.
Das mag ein Treffen mit meiner Freundin und Ihrem Kind sein. Hier waren wir letztens ganz entspannt an der Elbe spazieren, haben Eis gegessen und tolle Gespräche geführt.

Mal einfach nicht auf die Zeit schauen zu müssen und gedanklich und körperlich runter zu kommen ist unbezahlbar.

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Letztens war ich an einem freien Tag auch einfach nur in einer kleinen „Boutique“ shoppen. Auch hier habe ich tolle Gespräche geführt und neue Teile geshoppt. Auf dem Rückweg bin ich dann auf einen kleinen Stop am Blauen Wunder gewesen. Mein täglicher Weg, um in die Stadt oder auf Arbeit zu kommen. Eine tolle Strecke, die man irgendwie doch viel zu wenig schätzt.

Letztens haben wir uns unsere Stadt, Dresden, einfach mal aus einer anderen Perspektive angeschaut und haben mal ein typisches „Touristenziel“ angesteuert und es keinesfalls bereut.

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Doch sehr hoch im Kurs neben tollen Momenten draußen sind auch einfach die Tage, an denen wir sagen „Komm, lass uns Essen gehen“
Ich liebe es, neue Restaurants zu erkunden und einfach mal „bekocht“ zu werden. Auch wenn es toll ist zu Zweit in der Küche zu stehen und gemeinsam zu kochen!

Die Zeit zu Zweit ist mir das wichtigste und heiligste, denn diese bekommt man mit keinem Geld der Welt ersetzt.


Was ich wirklich lernen muss ist mich über Dinge, die ich nicht ändern kann nicht mehr aufzuregen. Man muss wirklich das beste aus den Gegebenheiten machen! Ich bin sehr froh darüber, dass privat alles so wundervoll läuft und ich einen tollen Mann an meiner Seite habe.
Beruflich  wird sich bei mir dieses Jahr auch noch viel ändern und ich freue mich auf diese Veränderung. Ich blicke positiv in die Zukunft und weiß, dass alles besser wird, auch wenn sich einige Dinge nicht ändern werden 🙂

Um zur Anfangsfrage zu kommen „Macht die Arbeit in der Pflege krank?“
Wahrscheinlich nicht wirklich, sie ist anstrengend, keine Frage. Das sind andere Jobs aber auch. Man sollte nie vergessen, warum man sich bewusst für seinen erlernten Job entschieden hat. Arbeit ist nicht alles aber wichtig! Dennoch einfach mal auf sich schauen und einfach nur LEBEN! Das werde ich künftig immer mehr versuchen auch um zu setzen!

6 Kommentare Gib deinen ab

  1. Arvid sagt:

    Sehr gut geschrieben. Sprichst mir Quasi aus der Seele. Kleine Belohnungen trösten und motivieren ungemein, aber man sollte dennoch aufpassen mit der Arbeitsbelastung. Denn das, ich habs selbst erlebt, geht nach hinten los wenn man es übertreibt 🙂

    Liebe Grüße Arvid

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    1. ossilinchen sagt:

      Ach Arvid, wie Recht du doch hast! Man darf sich da echt nicht kaputt machen lassen!!! Mehr auf sich schauen!
      Liebe Grüße 😘

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  2. britti sagt:

    Ich finde es schon beneidenswert, dass du diesen Job ausgesucht hast. Für mich wäre es definitiv nichts, da ich dann einfach kopfmäßig zu viel nach Hause nehmen würde. Ist bei meinem Bürojob ja schon so, wie wäre es erst im Krankenhaus..??? Trotzdem finde ich es toll, dass dir dein Beruf auch nach der Zeit noch einigermaßen Spaß macht und Dankeschön dafür…Liebe Grüße, britti

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    1. ossilinchen sagt:

      Danke für deine Lieben Worte. Man muss einfach irgendwie damit umgehen lernen. Und sich nicht kaputt machen lassen! Hab einen schönen Nachmittag 😘

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  3. Super Bericht und ich denke, dass du damit soooo Viele ansprichst!
    Ich glaube, dass die Arbeit generell überall viel stressiger geworden ist! Wie meine Eltern schon immer sagten…früher.. Das höre ich von mir auch😂😂
    Meine Oma hat stundenmäßig viel mehr gearbeitet als es heute ist…das war die Generation Nachkriegszeit. Aber trotzdem hat diese Generation ihre wenige Freizeit bewusst genutzt und genossen. Und wenn es der gemeinsame „Sonntagsbraten“ mit der kompletten Familie war. Da hieß es nicht „keine Zeit“.
    Dann die Generation meiner Eltern. Noch relativ „stressfrei“.
    Dann kommen wir. Immer mehr Arbeit und mehr Stellenabbau, die Statistik ganz wichtig🙈Computer und Technik…meine Eltern haben bei mir schon gesagt, wie stressig alles geworden ist. Am besten immer erreichbar sein und bestenfalls Arbeit mit nach Hause nehmen.
    Jetzt die nächste Generation wie mein Sohn, der Ende August 17 wird…ich sage dir, schon die Schule ist stressiger. Das sagen ältere Generationen und die Lehrer selbst auch….
    Fazit….jeder muss bzw soll mehr Arbeit schaffen mit weniger Stellen und weniger Lohn…das ist mal die Kurzfassung 😂😂😂
    Wie also abschalten?
    Einfach mal Handy und Technik aus und wenn’s für 2-3 Stunden ist. Bewusst leben und lieben und dankbar dafür sein. Meine Eltern haben auch immer versucht, eine Auszeit beim Essen gehen zu nehmen, auch wenn das Geld nicht üppig war…in Ruhe Essen gehen und genießen. Qualitytime😉
    Wenn mal alles etwas viel wird, dann gehen mein Schatz und ich (auch mein Sohn) auch gemütlich essen…im Restaurant ist Handy lautlos und in der Tasche! Oder mal eine Runde spazieren oder eine Kugel Eis essen…muss nicht immer teuer sein…und diese Zeit ist unbezahlbar!
    Sorry für den langen Text Süße und schaffe dir „Qualitytime“, auch wenn man das mal wie nen Termin verabreden muss😉
    Wir haben jetzt unseren freien Donnerstag, weil mein Schatz auch jeden Tag arbeitet. Und das klappt meist, spätestens ab mittags/nachmittags. Das dauert seine Zeit und manchmal erledigt man trotzdem viel, aber immer weiter daran arbeiten 😘😘😘❤

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    1. ossilinchen sagt:

      Danke für deine lieben Worte ❤😍 Du sagst da absolut die Wahrheit. Alles ist nur auf Erfolg aus. Und das ist nicht der richtige Weg. Man muss und sollte auf sich achten! Das ist das wichtigste. Lebend kommen wir hier eh nicht raus aber wir müssen das beste draus machen 😍😘 Beim Essen gehen ist das Handy auch immer weg. Zeit zu Zeit

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