Mein Weg der Einarbeitung auf Intensivstation

„Sarah, stell dich schon mal darauf ein, dass Frühdienst die Hölle wird….“ so bereitete mich meine Mentorin auf die bevorstehenden Dienste vor.

Frühdienst, mag kann schon fast sagen, ich und das zeitige aufstehen, wir werden nicht warm miteinaner. Mein kleiner Trost war, dass ich auf der Intensivstation, wo ich jetzt bin erst 6.30 Uhr auf Station sein muss anstatt 6 Uhr, wie ich es sonst kenne. Also 30 Minuten länger schlafen. Man muss sich ja auch an den kleinen Dingen erfreuen 🙂

Meine Frühdienste waren Dienst 6 und 7 auf Intensivstation. Man könnte meinen, dass ich immer noch mit meiner Mentorin zusammen von Patient zu Patient laufe und wir alles zusammen machen. Allerdings habe ich diese Illusion längst begraben und bin auch sehr froh darüber, dass ich sehr viel selbstständig machen kann. Nur so kann ich lernen. Ich will noch lange nicht von Routine sprechen, denn dafür gibt es noch viel zu viel zu lernen und zu sehen. Aber ich würde sagen wollen, dass ich in den Dingen, die ich schon mal gemacht habe routinierter werde. Und natürlich sind meine 7 Jahre Berufserfahrung auch nicht ganz unter den Tisch zu kehren. Medikamente aufziehen und verabreichen, Blut abnehmen, Verbände machen. All das ist ja nichts, was ich zum ersten mal machen muss. Und so kann ich mich auf die „neuen“ Dinge konzentrieren und auf die Dokumentation. Denn auf Intensiv wird mit einem anderen System dokumentiert, als auf Normalstation.

So langsam weiß ich Blutdruckmedikamente einzuschätzen und kann mich so auf Vitalwerte konzentrieren. Ich versuche möglichst selbstständig zu arbeiten und all das, was an Fragen aufkommt, stelle ich meiner Mentorin entweder sofort oder schreibe es mir auf, je nachdem, wie es die Zeit zulässt. Immer wieder ist sie bei mir und fragt, ob ich auch an dies oder jenes gedacht habe, um Routine zu erlernen. Wenn ich „Ja“ sagen kann, dann freue ich mich und wenn ich „Nein“ sagen muss, dann weiß ich, worauf ich künftig achten muss. So langsam kommt es mir vor, als wäre ich schon länger da als „NUR“ 7 Tage. Alles was ich nicht allein machen kann, da bekomme ich tatkräftige Unterstützung meiner Mentorin und sie kontrolliert auch immer am Ende des Dienstes die Dokumentationen, damit ich lerne, was hier auf ITS alles aufgeschrieben wird.

Am zweiten Frühdienst klingelte plötzlich das „ECMO“ Telefon. Ein Zeichen dafür, dass ein Patient eine besondere Therapie braucht, die ECMO heißt und ein Zeichen dafür, dass es dem Patienten wirklich schlecht geht. 2 Leute rannten sofort los, um den Patienten zu versorgen und zu holen. Das ist in der Klinik so geregelt, dass es meist Fachschwestern/- pfleger sind, die sich um den Patienten kümmern, ihn vom jeweiligen Ort abholen und versorgen. Für den Rest auf Station und die Ärzte hieß es aber 1 Bettplatz frei machen. Zu dem Zeitpunkt hatten wir keinen Platz, also mussten binnen 20 Minuten ein Patient verlegt werden, ein anderer Patient an den Bettplatz gebracht werden, der nun freie Platz und der gewechselte Platz mussten gesäubert werden. Das Zimmer für den neuen Patienten musste vorbereitet werden, Beatmung gecheckt werden, neu aufgebaut werden, möglichst alles vorbereiten, was man braucht, Platz auf dem Gang machen, da sie jederzeit kommen könnten und natürlich alle anderen Patienten weiter betreuen. Kurz bevor das Telefon klingelte freute ich mich, dass ich und meine Mentorin meinen Patienten nur noch drehen mussten, den Rücken waschen mussten und das Bett neu beziehen mussten. Den Rest hatte ich schon gemacht. Rest klingt hier nach Kleinigkeiten aber das ist es nicht. Rasieren, Mundpflege, Tubuswechsel und Körperpflege. Patientenbeobachtung, Medikamente geben und Beatmung im Blick haben. Mein zweiter Patient war schon fertig. Kurzum, ich fand, wir lagen sehr gut in der Zeit. Nun gut, Notfälle gehen vor und so merkt man mal, dass man auf ITS nichts planen kann.

Ich arbeitet auf Zuruf, versuchte alle mit zu unterstützen und an meinem Patienten alles vorzubereiten, sodass ich und meine Mentorin die restlichen Arbeiten fix machen konnten.

Und so vergingen beide Dienste wie im Flug. Die Hölle war es nicht aber es gab viel zu tun, da auch die komplette Besetzung der Ärzte da ist, Visiten stattfinden und die Medizin und vor allem die Pflege ja dennoch laufen muss.

So langsam macht es mir Spaß und ich fühle mich in meiner neuen Rolle wohl. Auch wenn ich weiß, dass während meiner Einarbeitung immer mal wieder Situationen kommen werden, an denen ich wachsen werde und die erstmal Rückschläge bedeuten. Ich habe bisher „zum Glück“ nur die normale Patientenbetreuung gesehen und gemacht. Notfälle wirklich betreut, Reanimiert, Intubiert, Zugänge mit gelegt, das sind alles noch Dinge, die ich früher oder später mit machen muss und die auf mich zukommen werden. Es wird also nie langweilig 🙂

 

Phonto (11)

 

 

5 Kommentare Gib deinen ab

  1. britti sagt:

    Das freut mich sehr, dass du jetzt genau das machst, was du dir gewünscht hast. Liebe Grüße, britti

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    1. ossilinchen sagt:

      Danke dir 😍 Liebe Grüße und einen schönen Wochenstart

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  2. Diana sagt:

    Ui ich bewundere dich dafür. Finde das klasse und du machst das schon. Die Zeit geht schnell rum und mit jedem Tag wird man routinierter. LG Diana

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  3. Astrid scholz sagt:

    Hallo Sarah, du weisst ja das Leben hat immer Aufgaben für uns . So lernt man immer dazu ,und du schaffst das weil es dein Wunsch war . Danke für deinen einblick LG Astrid

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    1. ossilinchen sagt:

      Oh ja, ohne diese Aufgaben wäre es ja langweilig 😉 danke für deine lieben Worte ❤

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