Der steinige Weg zum Wunschkind- Warum aufgeben keine Option war!

Oktober 2016- ich erinnere mich noch sehr gut an die Zeit. Das Thema Kinder bekommen, eine Familie gründen, Haus bauen… es waren Themen, die bei mir und meinem Partner immer wieder hoch kamen und immer wieder präsent waren.

Im Oktober 2016 aber entschieden wir uns beide für ein Kind. Wir wollten aus einem Du und Ich ein WIR machen. Eine eigene kleine Familie, wie sie uns mit unseren Familien aufgrund einiger Todesfälle bei uns beiden so nicht gegönnt war.
Ich, Mitte 20 und mein Partner Anfang 30 verspürten immer mehr den Wunsch nach einer eigenen kleinen Familie, einem Baby.

Überall, wo wir uns umsahen Babybäuche, Kinderwägen und Freunde, die schwanger waren. Wir malten uns schnell Hoffnungen aus, nach Absetzen der Verhütung zeitnah schwanger zu sein.
Das alles anders kommen würde und ich manchmal näher der Verzweiflung als der Freude war, das konnte ich zu dem Zeitpunkt nicht ahnen.

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Ich besprach meinen Wunsch nach einer Familie mit meiner Frauenärztin, der Impfausweis wurde gecheckt, Folsäure wurde mir empfohlen und so konnten wir quasi loslegen.
Anfangs gab ich nichts darauf, wann ich denn meinen Eispung haben könnte.
Ich wollte keine Frau sein, die sich verrückt macht und sich unter Zeitdruck setzt. Wichtig war für und beide, dass es Spaß macht und alles andere würde schon so klappen. Tja… erster Monat, einige Tage drüber, Hoffnung. So ging es Monat für Monat, ein halbes Jahr lang.
Teilweise war ich sogar bis zu 20 Tage „drüber“ und dennoch nicht schwanger.

Einen normalen Zyklus gab es bei mir auch 6 Monate nach Absetzen der Verhütung nicht. Normal, was ist in der Natur schon normal. Anfangs sah ich es mit Humor, mein Körper müsse schließlich erstmal mit der hormonellen Verhütung von über 10 Jahren klar kommen. Ich versuchte den logischen Verstand der Krankenschwester auf mich wirken zu lassen. Allerdings war das Fluch und Segen zugleich. Man weiß leider doch zuuu viel.
Im Frühjahr 2017 saßen wir dann wieder bei meiner Frauenärztin. Nicht schwanger und langsam irritiert, warum sich nichts tut. Sie wollte sich meinen Zykluskalender genauer ansehen und untersuchte mich nochmals via Ultraschall.
Kleine Zysten sah man an einem Eierstock. Die Diagnose PCO wurde leider viel zu schnell gestellt. Obwohl ich Krankenschwester bin hatte ich absolut keine Ahnung, was denn PCO bedeuten sollte.
Zu Hause machte ich den wohl größten Fehler und „googelte“
Von Unfruchtbarkeit über Kinderwunschklinik bis hin zu jahrelangem probieren, schwanger zu werden, fand ich alles.
Ich war sehr beunruhigt, hatte zudem noch Stress auf Arbeit. Mein einziger Fels in der Brandung war und ist auch jetzt noch mein Partner, der so komplett das Gegenteil von mir ist. Ruhig und ausgeglichen. Er hat mich sehr oft auf den Boden der Tatsachen versucht runter zu holen und so schauten wir gemeinsam nach vorn.
Meine Frauenärztin empfahl mir damals „Mönchspfeffer“ um den Zyklus besser in den Griff zu bekommen. Temperaturkurven und „Eisprungmessungen“ via Urin fand sie übertrieben, es würde einen nur verrückt machen und unter Druck setzen. Der Meinung waren wir auch und froh darüber, dass wir dies auch von einer Ärztin hörten.
Um das PCO zu sichern, wurden Blutabnahmen gemacht. Gemäß den Zyklustagen, soweit man das bei mir sagen konnte.
Erstaunlicherweise war alles okay. Alles in allem war ich verunsichert, bei meiner damaligen Ärztin ist viel passiert,  sodass das Vertrauensverhältnis hinüber war und mittlerweile auch 9 Monate vergangen waren.
Von meiner besten Freundin, die vor kurzem selbst entbunden hatte erfuhr ich, ebenfalls wie von meinem Partner, nur Zuspruch, Verständnis und Hoffnung.

Ich hatte langsam die Hoffnung aufgegeben und war zu tief traurig. Nachrichten über Mädels, die mit 40 ihr erstes Kind bekommen bishin zu Kolleginnen, die Single waren und ungewollt schwanger wurden zogen mich immer wieder nach unten. Doch auch wenn ich traurig war, so berappelte ich mich recht schnell.
Von Monat zu Monat habe ich meinen „Zyklus“ mehr verstanden. Der Mönchspfeffer regelte meinen Zyklus zumindest von 40-70 Tagen auf 32- 40 Tagen. Dass es in der Zeit auch weniger Eisprünge gab führte ich mir immer wieder vor Augen und so nutzen wir Momente, an denen ich „theoretisch“ kurz vorm Eisprung war.
Auch nach einem neuen Frauenarzt schaute ich mich um, was leichter gesagt als getan ist.
Von Sprüchen wie „Sie sind doch noch jung“, bis hin zu „Dann gehen sie eben in die Kinderwunschklinik“ oder „Melden sie sich einfach, wenn sie wieder Schwanger sind, aktuell nehmen wir keine Patientinnen auf.“ war vieles dabei.
Ich fand bei mir in der Nähe eine Praxis, die sich auch auf Frauen mit Kinderwunsch spezialisiert hat. Bis heute bin ich in dieser Praxis auch wenn nicht alles rund läuft.
Das erste Gespräch verlief meiner Meinung nach super. Ich fühlte mich ernst genommen. Das Problem mit den vertauschten Krankenakten bei meinem anderen Frauenarzt sorgte dafür, dass ich nochmals via Ultraschall komplett untersucht wurde. Es wurde eine Zyste festgestellt, sonst hatte ich aber keinerlei Anzeichen für PCO.

Mittlerweile war ein Jahr vergangen und in Absprache meiner neuen Frauenärztin suchten wir gemeinsam die Kinderwunschklinik auf.
Anfangs kein leichtes Thema. Dinge und Gedanken wie „ Das wird doch teuer“ und „Muss man dafür mich verheiratet sein?“ kamen auf. In Rücksprache mit unserer Krankenkasse haben wir aber erfahren, dass die ersten Untersuchungen komplett von der Kasse getragen werden. Voraussetzung war, dass man fest zusammen ist und es länger als ein Jahr probiert. Das traf ja bei uns beiden zusammen und so schöpften wir Hoffnung und schauten uns nach einer Klinik um.

Wir sahen beide keine andere Möglichkeit. Wir hatten zwar überlegt, ob es vielleicht an meinem Partner liegt und uns einen Termin zum Spermiogram geben lassen, allerdings mussten wir erfahren, dass wir ambulant von vielen Urologen einfach nicht ernst genommen wurden und Summen bis zu 80 Euro verlangt wurden, bevor wir überhaupt einen Arzt sprechen dürfen. Auch dies schilderten wir unserer Krankenkasse, die uns jetzt erst recht dringlich an die Kinderwunschklinik verwiesen hat.

Für uns eine weitere Bestätigung, denn körperliche Nähe war für uns beide manchmal mehr erzwungen, um schwanger zu werden, als dass es Spaß machte. Wir waren uns beide sicher, dass das nicht das ist, was wir wollten. Wir wollten ein Kind ja aber wir wollten nicht, dass unsere Beziehung darunter litt. Und so rauften wir uns beide zusammen, haben nach vorne gesehen und uns mal Ruhe gegönnt, die Zeit so als Paar genutzt und uns einen Termin in der Kinderwunschklinik geben lassen.

Ich hatte mit gerechnet, dass ein Termin Monate dauern würde aber nein, 3 Wochen später saßen wir in der Klinik. Umgeben von Paaren jedem Alters. Spannend zu sehen, dass es nicht nur uns so ging. Und genau dieses Feedback habe ich von ganz vielen meiner Leserinnen bekommen. Viele versuchen es Monate, Jahre bis über Jahrzehnte schwanger zu werden und glaubt mir, ich kann jede einzelne Frau so so gut verstehen.
Das erste Gespräch zu Zweit mit der Ärztin war erst mal ein Gespräch für den Überblick und um die kommenden Schritte bzw. Untersuchungen zu Besprechen und um Termine auszumachen. Glücklicherweise hatte ich gerade meine Regel (und eigentlich auch mal wieder einen Tiefpunkt, weil wir nicht schwanger waren) aber so konnte man mir Blut abnehmen, um die Hormone zu checken. Was habe ich in der Zeit für Blut geben müssen.
Glücklicherweise war ich für mich etwas entspannter und konnte das auch mit in die Beziehung nehmen. Mein Partner lies sich meist nichts anmerken, nach außen hin war er immer ruhig und entspannt. Manchmal brachte mich das zur Weißglut, weil ich mich echt fragte, wie ihn das alles so kalt lassen kann. Aber in sentimentalen Momenten wusste ich, dass es ihn alles andere als kalt lässt und er einfach nur merkt, wie sehr ich leide und er einfach nur für mich und UNS stark sein will.

Die nächsten Wochen waren geprägt von Blutabnahmen, Untersuchungen in der Kinderwunschklinik und auch mein Partner musste dran glauben. Gedanklich waren wir aber eher schon im Kurzurlaub, als woanders.

Wie oft haben wir die letzte Zeit gehört „Entspannt euch, im Urlaub klappt es bestimmt“.
Ich konnte diese Sätze nicht mehr hören. Sie haben mich echt schon förmlich wütend gemacht.
Was hatten wir in über einem Jahr für Urlaube, immer wieder Hoffnungen und es hat nicht geklappt.

Daher sind wir auch recht entspannt Richtung Ski Urlaub gegangen.
Entspannung, ein Wort, was für mich schon lange nur noch auf dem Papier existierte. An manchen Tagen kam ich gut damit klar, nicht schwanger zu sein, zählte mir gedanklich Vorteile auf, bis es denn dann klappt. Aber insgeheim waren das nur Gedanken, um mich abzulenken. An Tagen, an denen ich meine Regel bekam war ich richtig down. Danach schöpfte ich wieder Hoffnung „Neuer Monat neues Glück“
Kurz vor unserem Urlaub hatte ich nochmal eine gynäkologische Untersuchung, bevor wir dann den „Fahrplan“ in der Klinik besprechen wollten. Mein Mann war gerade mitten im Nachtdienst, ich hatte Spätdienst und bin so allein zu dem Termin gegangen.
Der Arzt sagte mir doch nicht wirklich, dass wir die nächsten Tage nutzen sollen, mein Eisprung steht kurz bevor.
Das erste was mir raus rutschte war „Was für ein beschissenes Timing“. Der Arzt schmunzelte und zeigte absolut Verständnis für die Situation, da ich ihm erklärt hatte, warum ich so reagierte.
2 Tage später saßen wir aber im Auto nach Österreich. Meine bessere Hälfte kam morgens aus dem Nachtdienst und so fuhr ich die 8 Stunden Auto durch. Es war Familienurlaub, denn mein Ziehpapa und seine Partnerin, sowie Ihr Kind kamen mit. Bis zu Ihrer Ankunft hatten wir noch gut eine Stunde Zeit. Wir waren eher in der Unterkunft, konnten entspannt unsere Sachen hoch tragen und mal abschalten.

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Es war Valentinstag und wir waren uns einig, uns nichts zu schenken. Wir haben uns und das ist alles, was wir brauchen.

Doch 3 Wochen später habe ich erfahren, dass mein Partner mir uns uns das beste Geschenk machen konnte,. 3 Wochen später durfte ich 2 positive Schwangerschaftstests in der Hand halten.

Phonto (5)
Fast eineinhalb Jahre Qualen, Hoffnung, Bangen und Tränen hatten ein Ende.
Ich kann allen Paaren da draußen nur sagen, haltet zusammen. Ich weiß, wie schwer diese Zeit und ein unerfüllter Kinderwunsch ist. Aber es gibt Leute, die einem helfen. Schaut auf euch, auf eure Beziehung, denn die sollte darunter nie leiden und lasst euch gesagt sein, ihr seid nicht allein.

In diesem Sinne, gebt nicht auf!

Eure Sarah

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6 Gedanken zu “Der steinige Weg zum Wunschkind- Warum aufgeben keine Option war!

  1. Herzlichen Glückwunsch. 💖💖💖Bei mir war es beim 1. Kind genauso…ein Albtraum und die Nerven und Gefühle im Keller… hatte sogar Bauchspiegelung wegen Zysten, dann Hormone und die Angst es werden mehr…. dann hat es geklappt und unser Sohn kam zur Welt. Nach 4 Jahren setzte ich wieder die Pille ab, mit der Einstellung, das es ja wieder ewig dauert und was soll ich sagen, ich habe keine Periode mehr gehabt und wurde direkt mit Zwillingen schwanger ganz ohne Hormone! Also ich kann dich gut verstehen und freue mich für dich😊💖💖💖 LG Diana

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