Uniklinik Dresden

Nachgefragt im UKD- Die Patientenverfügung

Leider kann es jedem von uns passieren… ein Unfall, eine plötzliche Erkrankung oder andere unvorhersehbare Dinge, warum wir unseren eigenen Willen nicht mehr erklären können. Ich finde es wichtig, sich mit dem Thema Patientenverfügung zu befassen. Es ist ein sehr umfangreiches Thema, zu dem doch auch einige Mythen kursieren. Aus dem Grund möchte ich dir heute einen Überblick zu diesem Thema geben. Was bedeutet eigentlich „Patientenverfügung“, was ist wichtig in der Formulierung und wer muss sich dran halten?

Um fachlich korrekten Rat zu erhalten, habe ich mich mit PD Dr. med. Kristian Barlinn getroffen. Er ist leitender Oberarzt auf der Neurologischen Intensivstation am Uniklinkum Dresden und aufgrund der neurologischen Krankheitsbilder oft mit dem Thema konfrontiert.

Auf Intensivstation kommen Menschen, die plötzlich aus ihrem Leben gerissen wurden. Das Thema Patientenverfügung ist vor allem hier enorm wichtig. Man muss den Patienten kennenlernen, die Krankheit evaluieren, ebenfalls aber eine vorhandene Patientenverfügung genaustens durchlesen und muss dann wissen, was der Wille des Patienten ist. Warum das gar nicht mal immer so leicht ist, das werde ich euch dann weiter unten im Blogpost erzählen.


Mit einer schriftlichen Patientenverfügung können Patientinnen und Patienten vorsorglich festlegen, dass bestimmte medizinische Maßnahmen durchzuführen oder zu unterlassen sind, falls sie nicht mehr selbst entscheiden können. Damit wird sichergestellt, dass der Patientenwille umgesetzt wird, auch wenn er in der aktuellen Situation nicht mehr geäußert werden kann.

Jede und jeder einwilligungsfähige Volljährige kann eine Patientenverfügung verfassen, die sie oder er jederzeit formlos widerrufen kann. Es ist sinnvoll, sich von einer Ärztin, einem Arzt oder einer anderen fachkundigen Personen beraten zu lassen. Treffen die Festlegungen in einer Patientenverfügung auf die aktuelle Lebens- und Behandlungssituation der Patientin oder des Patienten zu, sind sowohl die Ärztin oder der Arzt als auch die Vertreterin oder der Vertreter (Betreuer/in oder Bevollmächtigte/r) daran gebunden.

Bundesministerium für Gesundheit

Meist assozieren die Menschen eine vorhandene Patientenverfügung damit, dass der Patient ja sowieso „alles“ ablehnt! Dass dem aber nicht so ist, das zeigt das Zitat vom Bundesministerium. Auch Dr. Barlinn gibt seinen Kolleginnen und Kollegen mit auf den Weg, dass es besonders wichtig ist, eine vorhandene Patientenverfügung genauestens zu lesen und zu evaluieren, ob der Patient sich in der Situation befindet, die in der Verfügung beschrieben ist.
Schließlich regelt eine Patientenverfügung eine Einwilligung oder Ablehnung medizinischer Maßnahmen und Handlungen. Daher ist es für den behandelten Arzt besonders wichtig, die aktuelle Situation zu erkennen und zu verstehen und anhand der Patientenverfügung zu erörtern, wie es weiter geht. Gerade auf Intensivstation ist es wichtig, denn oftmals kommen die Patienten von außerhalb, der Notarzt hat intubiert und die Angehörigen stehen dann vor der Tür und sagen „Nein, das hat er/sie so nicht gewollt“. Später zeige ich euch anhand von ein paar Fallbeispielen mal, warum die Dinge nicht immer so klar sind.


Beim Bundesminesterium für Justiz und Verbraucherschutz habe ich mich kundig gemacht, auf was es inhaltlich alles ankommt. Ergänzend dazu bekam ich Informationen von Dr. Barlinn.
Der Gesetzgeber gibt vor, dass eine Patientenverfügung oder eine Betreuungsverfügung schriftlich verfasst und eigenhändig unterzeichnet werden muss. Dabei ist es egal, ob man das ganze handschriftlich formuliert, am PC schreibt, einen Mustervordruck nutzt oder zum Notar geht. Wichtig ist die Formulierung und der Inhalt!
Inhaltlich müssen folgende Punkte vorkommen:

Eingangsformel*

Hier sollte unbedingt der Name, der Vorname, die Anschrift sowie das Geburtsdatum stehen.
Zum Beispiel: „Ich, … …, geboren am … in … bestimme hiermit für den Fall, dass ich , meinen Willen nicht mehr frei äußern kann…“


→ Situationen, für die die Patientenverfügung gelten soll*

Beispielhafte Formulierung: “ … wenn ich aufgrund einer Demenz trotz Hilfestellung keine Nahrung und Flüssigkeit mehr aufnehmen kann …“ oder
“ … wenn ich mich aller Wahrscheinlichkeit nach unabwendbar im unmittelbaren Sterbeprozess befinde…“

Ganz wichtig: Alles so genau wie möglich nieder schreiben. Manche Vordrucke, die man ergoogelt, sind leider nur sehr kurz oder schwammig gehalten.

→ Festlegungen zu ärztlichen/pflegerischen Maßnahmen*

Hier sollte man auf das Thema künstliche Ernährung/ Flüssigkeitszufuhr, Wiederbelebung, Schmerzbehandlung und künstliche Beatmung eingehen.

Aber auch Wünsche zur Sterbebegleitung finden hier Platz. Beispielsweise regelmäßige Mundpflege ist erwünscht.

→ Wünsche zu Ort und Begleitung

Beispielsweise kann man hier auf die Betreuung zu Hause, im Hospiz oder im Krankenhaus Stellung nehmen. Wünscht man Beistand eines Geistlichen oder eines Angehörigen?

→ Aussagen zur Verbindlichkeit

Unbedingt sollte hier erwähnt werden, dass die Ärzte sowie das pflegerische Personal an deine Festlegungen gebunden sind und dass dein Vertreter (Bevollmächtigert/ Betreuer, den du einsetzt), für die Umsetzung deines Willens Sorge tragen soll und wie bei Nichteinhaltung oder nicht übereinstimmenden Meinungen verfahren werden soll!

→ Hinweise auf weitere Vorsorgeverfügungen

Gibt es eine Vorsorgevollmacht oder eine Betreuungsverfügung?

→ Hinweis auf beigefügte Erläuterungen zur Patientenverfügung

Gibt es zur Patientenverfügung weitere wichtige Dokumente/Unterlagen, wie zum Beispiel eine Wertevorstellung?

→ Organspende

Falls ein Organspendeausweis vorhanden ist, dann sollte darauf geachtet werden, dass die Angaben in der Patientenverfügung mit denen auf dem Ausweis übereinstimmen. Sollte eine Organspende abgelehnt werden, dann sollte das unbedingt auch hier mit aufgeführt werden. Möchtest du nur bestimmte Organe spenden? Dann auch das unbedingt hier notieren.
Auch sollte man hier notieren, ob man Organe erhalten möchte, falls man diese braucht.

→ Schlussformel*

Diese bestätigt, dass Du unter den beschriebenen Umständen keine weitere ärztliche Aufklärung wünschst. Diese Aussage ist wichtig, da bestimmte ärztliche Eingriffe nur dann vorgenommen werden dürfen, wenn ein Arzt vorher darüber aufklärt- es sei denn, der Patient verzichtet ausdrücklich darauf.

→ Schlussbemerkungen

Hier versicherst du, dass du die Verfügung ohne äußeren Druck, eigenmächtig und bei klarem Verstand angefertigt hast. Eventuell kann es sinnvoll sein, eine Bestätigung über die Entscheidungsfähigkeit sowie einen Nachweis einer ärztlichen/fachkundigen Beratung und Aufklärung beizufügen.

→ Datum, Unterschrift*

(→ Aktualisierung(en), Datum, Unterschrift

→ Anhang: Wertvorstellungen)

Die eigentlichen Bestandteile einer Patientenverfügung sind mit Sternchen* gekennzeichnet. Aber auch die ergänzenden Aussagen können zum Verständnis des Gewollten beitragen und Anordnungen und Wünsche des Verfassers deutlich machen.

Generell kann man sagen, je genauer die Situationen und Wünsche beschrieben sind, desto besser für den behandelten Arzt. Je unkonkreter die Formulierungen, desto schwieriger ist die Interpretation.

Auch solltest du Sorge dafür tragen, dass man die Patientenverfügung im Falle sie wird benötigt, auch findet. Informiere also deine Familie/Vertrauensperson, wo du sie liegen hast. Auch ist es ratsam, einen Zettel in die Geldbörse zu legen mit dem Hinweis, dass eine Patientenverfügung vorhanden ist.


Natürlich habe ich auch eure Fragen mit ins Gespräch genommen:

– Muss sich ein Arzt an eine nicht notariell beglaubigte Patientenverfügung halten?

Ja, wenn oben genannte Kriterien für eine Patientenverfügung gegeben sind. Und auch hier kann man sagen, je genauer das ganze beschrieben ist, desto einfacher ist es für den Arzt, den Willen des Patienten umzusetzen. Kann der Patient seinen Willen nicht klar äußern und kommen Fragen oder Zweifel auf, dann werden die Angehörigen bzw. der Betreuer kontaktiert und befragt. Dann geht es darum den mutmaßlichen Willen des Patienten rauszufinden. Gab es Äußerungen, die der Patient zu der aktuellen Situation getroffen hat, gibt es religiöse Wünsche, ethische Einstellungen…

– Muss man eine vorhandene Patientenverfügung aufgrund Corona anpassen?

Nein, man solle zwar so genau wie möglich alles beschreiben allerdings kann man nicht jedes einzelne Krankheitsbild auf der Welt auflisten und dann dahinter schreiben, was man wünscht oder eben nicht wünscht.

– Warum wird eine vorhandene Patientenverfügung in der Praxis oft nicht beachtet?

Die Frage so wie sie gestellt ist würde ja bedeuten, dass die Verfügungen in der Praxis nicht wirklich beachtet werden. Das stimmt natürlich nicht! Es ist die Pflicht eines Arztes, den Willen des Patienten zu beachten. Andernfalls wäre es Körperverletzung und man würde sich strafbar machen.

Nehmen wir an, ein Patient kommt auf Intensivstation. Er hatte einen Krampfanfall, ist vom Notarzt intubiert worden, weil seine Atmung nicht suffizient war. Der Patient hatte eine Patientenverfügung, in der klar steht, er möchte nicht auf Intensivstation, wenn er aufgrund eines Hirnschadens , einer irreversiblen Erkrankung oder einer Demenz beatmet werden muss. Nun muss man aber sagen, dass ein Epileptischer Anfall reversibel und behandelbar ist und der Patient keine Schäden von sich trägt. Die Beatmung war zu seinem Schutz und überleben notwendig .
FAZIT: Der behandelnde Arzt hat sich nicht strafbar gemacht oder den Willen des Patienten ignoriert. Dieser hat ja nur für bestimmte Fälle eine Intensivstation/ Beatmung abgelehnt.

Das heißt, der Arzt muss unverzüglich prüfen, ob die WIRKSAMKEITSVORAUSSETZUNG gegeben ist. Das bedeutet, dass geklärt werden muss, ob die Festlegungen in der Verfügung auch auf die aktuelle Situation, in der sich der Patient befindet gültig sind. Daher ist es, wie oben genannt wichtig, so konkret wie möglich alles zu beschreiben.

Die Rechte der Patientinnen und Patienten sind in Deutschland hoch entwickelt und durch die Rechtsprechung umfangreich gesichert. Die Informationslage über die bestehenden Rechte ist und war unterschiedlich ausgeprägt und nicht immer zufriedenstellend. Mit dem  im Februar 2013 in Kraft getretenen „Gesetz zur Verbesserung der Rechte von Patientinnen und Patienten“ (Patientenrechtegesetz) sollen transparente Regelungen geschaffen werden und Patienten wie auch Behandelnden, also auch Ärztinnen und Ärzten, die nötige Rechtssicherheit geben.

Bundesärztekammer

– Wo kann man sich zum Thema beraten lassen? Gibt es Einrichtungen, die beim ausfüllen helfen?

Informationen bekommst du beim Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz. Dort gibt es eine sehr gute und informative Broschüre. Hier auch gleich mit verlinkt.

Die Informationensquellen sollten fachkundig sein, daher ist es beispielsweise sinnvoll, sich an den Hausarzt zu wenden. Der behandelt einen in der Regel ja schon Jahre, kennt einen und mit ihm gemeinsam kann man eine solche Verfügung aufsetzen. Auch der Notar kann aufgesucht werden.

Was ist wichtig in der Formulierung?

Alle wichtigen Aspekte findest du oben in der Erklärung. Auf jeden Fall solltdst du sehr genau formulieren.

– Darf der Ehemann beispielsweise über seine Ehefrau entscheiden oder bedarf es einer extra Verfügung?

In der Tat ist es so, dass der Ehemann nicht einfach so über seine Frau entscheiden kann, wenn diese es nicht mehr tun kann. Auch hier bedarf es einer Patientenverfügung oder einer Betreuungsverfügung. Gibt es so etwas nicht, dann muss sich der Mann vom Gericht zum gesetzlichen Betreuer ernennen lassen. Dieser Antrag wird aber vom Gericht geprüft. Sinnvoll ist es allgemein gesehen, eine Patientenverfügung zu schreiben, den Ehemann einzutragen und auch eine Vorsorgevollmacht auszufüllen, die klar regelt, wer Entscheidungen treffen kann und auch über medizinische Behandlungen entscheidet. Gibt es weder eine gesetzliche Betreuung, noch die Verfügungen, dann wird der Arzt den Ehepartner natürlich mit einbeziehen bzw. befragen, um den mutmaßlichen Willen des Patienten heraus zu finden. Entscheiden wird der Ehemann aber nicht allein!

– Muss die Patientenverfügung notariell beglaubigt sein?

Nein, wenn oben genannte Kriterien bei der eigenen Patientenverfügung zur Formulierung umgesetzt wurden.

– Um was muss sich alles gekümmert werden?

Vor allem muss die Patientenverfügung genau ausgefüllt sein, alle oben genannten Textbausteine sollten beachtet werden. Auch ist es sinnvoll, eine Person drin stehen zu haben, die für die eigenen Wünsche einsteht, wenn man es selbst nicht kann. Man sollte sich Gedanken über eine Organspende machen und auch darüber, ob man sie selber haben möchte und das notieren. Sinnvoll ist auch ein Gesamtpaket an Verfügungen und Volmachten. Also eine eine Vorsorgevollmacht, eine Betreuungsverfügung und eben die Patientenverfügung.

– Können behinderte Menschen eine Verfügung erstellen?

Ja, solange sie Einwilligungsfähig und Geschäftsfähig sind. Gegebenenfalls kann eine Bescheinigung zur Einwilligungsfähigkeit sinnvoll sein. Andernfalls muss der gesetzliche Betreuer für den mutmaßlichen Willen des Betroffenen einstehen.


Hier ist Dr. Barlinn leitender Oberarzt
Ein Zimmer auf der neurologischen ITS

Liegt keine Patientenverfügung vor oder sind die Festlegungen in einer Patientenverfügung zu unkonkret oder allgemein, entscheiden die Vertreterin oder der Vertreter gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt auf der Grundlage des mutmaßlichen Patientenwillens über die anstehende Behandlung. Können sich – bei besonders folgenschweren Entscheidungen – Vertreterin oder Vertreter und die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt nicht darüber einigen, ob die beabsichtigte Entscheidung auch tatsächlich dem Willen der betroffenen Patientin oder des Patienten entspricht, muss die Vertreterin oder der Vertreter die Genehmigung des Betreuungsgerichts einholen.

Die gesetzliche Grundlage dafür hat der Deutsche Bundestag  am 18. Juni 2009 mit dem Paragraphen 1901a Bürgerlichen Gesetzbuchs beschlossen und damit die Rahmenbedingungen für den Umgang mit einer Patientenverfügung geregelt.

Bundesministerium für Gesundheit

Wichtig zu wissen ist aber, dass die Patientenverfügung jederzeit wiederufbar ist.
Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Patient hat in der Verfügung stehen, dass er bei einem großen Schlganfall keine weiteren Behandlungen haben möchte, keine Intubation/ Intensivstation. Dann kommt genau dieser Patient wegen einem Schlaganfall in die Klinik. Sagen wir, die rechte Hirnhälfte ist stark betroffen. Ohne OP würde der Patient sterben. Die Verfügung sagt aus, dass das der Wunsch des Patienten ist. Da aber die rechte Hirnhälfte betroffen ist, nicht die linke, ist es dem Patienten möglich, sich zu äußern. Der Arzt klärt also auf, was passieren würde, wenn er der OP nicht zustimmt. Da der Patient bei klarem Verstand ist, äußert er den Wunsch der OP, da er an seinem Leben hängt. Hier sticht der geäußerte Wille des Patienten den Willen, der in der Verfügung festgelegt wurde, wenn er einwilligungsfähig ist.


Noch ein Beispiel aus der Praxis um zu verstehen, warum es so wichtig ist, dass sich der Arzt mit dem Thema ganz genau auseinander setzt und jede Verfügung genau liest und prüft.

Ein Patient hat in der Patientenverfügung klar geäußert, dass sein Leben nicht lebensfähig ist, wenn für immer ans Bett gefesselt ist und er den Tod dann lieber in kauf nimmt. Dieser Patient hat sich nun das Bein gebrochen, müsste mit einem Fixateur externa (einem Haltesystem für Knochen, welches durch die Haut geht) für 3 Wochen im Bett liegen. Natürlich behandelt man den Patienten mit OP und allem, was für die adäquate Versorgung dazu gehört. Er wird ja nicht sein ganzes Leben ans Bett gefesselt sein, sondern „nur“ 3 Wochen.


Noch ein schönes Beispiel, warum ein Patient manchmal ein paar Tage auf ITS liegt und es für die Angehörigen so rüber kommt, als würde die Patientenverfügung ignoriert werden.

Oftmals gibt es ja Formulierungen wie „… wenn ich mich aller Wahrscheinlichkeit nach im unmittelbaren Sterbeprozess befinde…“ oder „… wenn ich keine Prognose auf Heilung habe…“

Doch ob der Patient eine gute Prognose auf Heilung hat, das kann nicht immer sofort entschieden werden. Auch der Arzt muss den jeweiligen Patienten mit der Erkrankung kennenlernen. Manchmal merkt man erst über ein paar Tage hinweg, wie sich die Situation entwickelt. Der Patient kann zum Beispiel beatmet auf ITS kommen, hat einen kleinen Schlaganfall mit einer sehr guten Prognose auf ein beschwerdefreies Leben in ein paar Monaten. Keiner würde diesen Menschen sterben lassen!

Bei einem Patienten, der in seiner Patientenverfügung klar stehen hat „… wenn ich keine Prognose auf Heilung habe, dann möchte ich keine künstliche Lebensverlängerung…“ der nun aber mit einem massiv schweren Schlaganfall mit schlechter Prognose auf ITS kommt und seine Wünsche für die aktuelle Situaton klar definiert ist, würde man sich wohl gegen die Maßnahmen entscheiden und ihn sterben lassen, wie es der Wille war.


Für Außenstehende oder auch Pflegekräfte/ Assistenzärzte ist es leicht zu sagen „Na, ob er das wohl gewollt hätte…“ aber nie sollte man vergessen, dass es immer einen gibt, der die finale Entscheidung treffen muss! Aus dem Grund ist es eben so wichtig, die Patientenverfügungen sorgfältig zu prüfen.

Wenn etwas im Uniklinikum Dresden ganz widersprüchlich ist oder man zu keiner Entscheidungsfindung kommt, weil es zu viele Unklarheiten gibt, dann kann man auch immer die Ethikberatung am UKD (Klinische Ethikberatung) zu Rate ziehen. Zu diesem Komitee gehören Ärzte, Pflegende, Seelsorger, Klinische Ethiker und Sozialpädagogen.


Wer mir auf Instagram schon länger folgt der hat gesehen, dass ich mich kurz vor Corona mit dem Thema privat befasst habe. Mein Partner und ich haben uns für den notariellen Weg entschieden. Warum? Zum einen kennt er die wichtigen Formulierungen und schreibt nach unseren Wünschen alles auf. Zum anderen haben wir auch noch andere Dinge geklärt. Wer sich zum Beispiel um mich kümmern soll, wenn es mein Partner nicht tun kann, wer sich um unsere Tochter kümmern soll, wenn wir beide nicht in der Lage sind. Erbschaftsangelegenheiten, Betreuungsverfügungen, Vorsorgevollmachten und Generalvollmachten für Konto, Verträge und Co.

Wir wollten quasi alles in einem Aufwasch machen. Ein weiterer Vorteil ist natürlich auch, dass alles im Zentralen Vorsorgeregister hinterlegt ist. Und anders als man denkt, ist das ganze gar nicht so teuer. Die Beträge dafür staffeln sich nach dem, was man an Besitz und Geld auf der hohen Kante hat. Daher empfiehlt es sich auch das ganze in jungen Jahren zu machen, da man in der Regel da noch kein hohes Vermögen hat. Ich habe für all das oben genannte ca. 180 Euro bezahlt und finde das absolut okay. Eine Klausel, dass ich gewisse Dinge ändern kann, da ich ja noch jung bin und sich im Leben so einiges ändern kann, hat der Notar auf seine Empfehlung mit eingepflegt.


Aus der Praxis kann ich sagen, dass das Thema Patientenverfügung oft ein Thema auf Station ist. Es wird auch darauf geachtet, was da drin steht und was der Wunsch des Patienten ist/war.


Natürlich darfst du den Beitrag gern teilen, schließlich ist es ein wichtiges Thema und es geht uns alle etwas an!

(2) Kommentare

  1. Dany sagt:

    Mich hat das Thema immer erschreckt und ich dachte, woher soll ich jetzt wissen, was ich möchte, wenn ich dann in einer dieser beschriebenen Situation wäre. Aber es ist wie du in den Beispielen beschrieben hast. Es gibt immer Ausnahmen. Ein sehr interessanter Beitrag, besonders mit den Beispielen.

    1. ossilinchen sagt:

      Lieben Dank für dein Feedback ❤

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