Nachgefragt im UKD- Ossilinchen trifft die Palliativstation

Was verbindest du mit dem Wort Palliativstation? Die meisten verbinden die Palliativstation wohl mit „letzter Weg“, „hier stirbt man“ oder mit „hier könnte ich nicht arbeiten“… das zeigen mir auch eure Antworten auf Instagram.

Wenn ich euch jetzt sagte, dass die Palli ein wundervolles Fachgebiet ist, dann werden die meisten nun etwas verdutzt vor dem Handy oder PC sitzen. Doch die Palliativmedizin ist viel mehr als „sterben“. Es geht eher darum, Leiden zu mindern und den Patienten so viel schöne Zeit zu schenken, wie nur möglich! Fakt ist, dass die Palliativmedizin immer dann zum Einsatz kommt, wenn es eine infauste Prognose gibt. Also auf lange (oder kurze) Sicht keine Heilungschancen vorhanden sind. Die schöne Zeit können dann entweder wenige Tage oder Wochen bis hin zu Jahren sein. Und so ist es gut möglich, dass ein Patient auf der Palli liegt und in die Häuslichkeit oder ins Hospiz entlassen wird.


Ich selbst war vor fast 11 Jahren als Azubi auf der Station im Uniklinikum Dresden und ich empfand das Arbeiten als ein sehr schönes aber auch anspruchsvolles. Sicherlich sieht man viel „Leid“ aber bis heute liegt mir das Thema einfach sehr am Herzen und ich arbeite trotz ITS Hintergrund gern mit palliativen Patienten zusammen.
Die Arbeit ist meist entschleunigter, wenn ich sie mit meiner Arbeit auf Intensivstation vergleiche. Die Patienten können (meist) sagen, was ihnen fehlt, man hat auf Station auch in der Tat andere Möglichkeiten. Die Patientenküche auf der Palli hat mich schon damals fasziniert. Egal, worauf die Patienten Appetit haben, möglich ist fast alles, auch weil die Angehörigen mitbringen können, worauf der Patient Appetit hat. Ganz wichtig ist hier auch, dass die Angehörigen aufgefangen und gut betreut werden. Es ist eben ein ganz anderes Arbeiten, was man so mit keinem Fachgebiet vergleichen kann.

Da das Thema Sterben und Tod aber zwangsläufig auch etwas mit der Palliativstation zu tun hat, möchte ich euch heute einen Einblick in das Thema Sterbebegleitung geben aber auch darauf eingehen, was wir als Pflegekraft nach dem Versterben eines Patienten noch zu tun haben. Es wird also heute ein spannender aber auch emotionaler Beitrag. Ehrlich, herzlich und direkt von Station. Damit ich zu meiner fachlichen Kompetenz noch jemanden von der Palliativstation dabei habe, habe ich mich mit Janet Freitag, der Stationsleitung der Palliativstation getroffen. Sie ist genau der richtige Ansprechpartner für diesen Blog Beitrag.


Beginnen möchte ich mit euren Fragen, denn da sind viele schöne dabei. Weiter unten werde ich euch dann von meinen Erfahrungen auf der Hämatologie erzählen. Fast 5 Jahre war der Bereich Onkologie der Bereich, in dem ich gearbeitet habe. Ich habe sogar meine praktische Prüfung für mein Examen auf der Onkologie gemacht.  Die ein oder andere Geschichte habe ich für euch aufgeschrieben, denn auch ich habe viele Menschen in den Tod begleitet.

– Ab wann kommt ein Mensch auf Palliativstation, welcher Zeitpunkt der Erkrankung „muss“ erreicht sein.

Gegeben sein muss immer die infauste Prognose. Wichtig für die Aufnahme ist, dass ein Patient, der beispielsweise in der Klinik liegt starke Symptome hat, die eine Normalstation in dem Umfang einfach nicht bewältigen kann. Beispielsweise starke Luftnot, Übelkeit, massives Erbrechen, starke Schmerzen oder vermehre Schwäche. Dann wird eine Anmeldung klinikintern ausgefüllt. Wenn der Patient ambulant mit Spezialisierten ambulanten Palliativpflegedienst versorgt ist, dann stellen diese die Anforderung.

Generell kann man sagen, wenn die Symptomlast so groß ist und eine Palliative Grunderkrankung da ist, dann ist es eine Indikation für die Palliativstation. Hier geht es dann um Lebensqualität!

– Gibt es Therapietiere?

Nein, allerdings können eigene Haustiere mitgebracht werden. Hund, Katze, Wellensittich, nichts unübliches auf der Palli. Allerdings dürfen die liebsten Vierbeiner nur zu Besuch kommen! Therapiemäßig gibt es zusätzlich die Kunst- & Musiktherapie. Zusätzlich bieten manche Schwester auf Wunsch eine Reflexzonenmassage oder eine Klangmassage an.

– Kann man sich selbst auf Palli einweisen lassen, wenn „Nichts mehr geht“?

Eine Selbsteinweisung ist nicht möglich. Möglich ist aber der Weg über den Hausarzt, der dann eine Krankenhauseinweisung für die Palliativstation ausstellt. Wenn man an das Brückenteam (SAPV) angebunden ist, dann kann auch dieses Team eine Anmeldung schreiben.

– Geht man als Patient generell auf die Palliativ, wenn es dem Ende zu geht?

Nein, natürlich geschieht nichts gegen den Willen des Patienten. Ist man auf Normalstation und die Ärzte/ Schwestern merken, dass eine palliative Versorgung vonnöten wäre, dann wird es dem Patienten angeboten. Ebenfalls so erfolgt es, wenn man nicht im Krankenhaus ist, also ambulant betreut wird.

– Gibt es eine Möglichkeit für Patienten , zum Beispiel von ITS, die eine infauste Prognose haben, zu Hause zu sterben und nicht im Krankenhaus? Gibt es dafür Konzepte? Unterstützt die Palliativstation bei der Vermittlung?

Möglich ist natürlich im gewissen Maße genau das, was der Patient und die Angehörigen wollen. Die Palli kann da nicht vermitteln aber der palliative Konsiliardienst im UKD.

Generell stellt sich die Frage, ob der Patient überhaupt transportfähig ist. Braucht er eine Beatmung zu Hause? Wenn ja, dann ist die Umsetzung schwer, denn stellt man die Beatmung ab, würde der Patient sofort sterben. Auch muss klar sein, ob die Angehörigen das zu Hause stemmen können. Es sollte jedem bewusst sein, dass ein Patient zu Hause nicht die umfänglichen Leistungen wie im Krankenhaus hat.

– Wie erfolgt die Umsetzung der Sterbebegleitung?

Auch das ist eine ganz individuelle Sache. Diese Frage kann man nicht pauschal beantworten.

Manchmal kommen Patienten direkt als Verlegung und sind schon präfinal (kurz vor dem Sterben). Hier geht es manchmal ganz, ganz schnell. Der Patient ist eher unbekannt, andersrum genauso. Man versucht es trotz der Unbekanntheit so würdevoll wie möglich zu gestalten, man ist dabei.

Manchmal zieht sich der Sterbeprozess aber über mehrere Tage bis Wochen. Hier ist es dann wirklich möglich, den Patienten kennenzulernen und auf seine Wünsche/ Vorlieben einzugehen. Auch die Angehörigen spielen hier eine sehr große Rolle.

Manchmal wollen Patienten allein sterben, oftmals sind das die Menschen, die ihr ganzes Leben lang immer alles mit sich ausgemacht haben. Dann muss man das respektieren. Vor allem für die Angehörigen ist es schwer, weil sie dann unter anderem Denken, dass es doch nicht schön ist, allein zu sein. Doch ganz oft gibt es die Fälle, dass Patienten gerade dann sterben, wenn sie allein sind. Dann haben sie es sich ausgesucht. Es ist wichtig, das den Angehörigen zu vermitteln, sie aufzufangen.

Zu dem ganzen Thema gehört ganz viel Feingefühl und Professionalität. Jede Sterbebegleitung ist anders, eben wie jeder Patient auch anders ist.

– Welche Freiräume gibt es, die es auf anderen Stationen nicht gibt?

Vor allem ist es der Platz für Individualität. Jeder Patient ist anders und darauf können die Schwestern und Pfleger eingehen.
Möchte ein Patient rauchen gehen, dann kann das Personal den Wunsch umsetzen. Auch Gespräche mit Patienten und Angehörigen sind ganz wichtig. Hier gibt es die Zeit für genau das.

Auch ist es die „Mut zur Lücke“. Möchte ein Patient nicht gewaschen werden, möchte er seine Tabletten nicht nehmen, dann ist das okay. Es ist der Körper des Patienten und die Wünsche können und werden hier nochmal ganz anders wahrgenommen und umgesetzt.

Auch haben die Schwestern die Möglichkeit, den Patienten Eis aus Sekt, Fanta, Cola oder Sprite zu machen. Ein Bad kann der Patient nehmen, wenn die Männer (oder Frauen) wollen, dann ist auch ein Bier möglich.

Das Patientenbad mit Lifter.

Alles, was hier so locker flockig einfach von der Hand klingt bereitet den Patienten ein gewisses Stück „Normalität“ und vor allem auch Lebensqualität. Um genau die geht es eben in der Palliativmedizin!

Besondere Anlässe wie Hochzeiten, Taufen von Erwachsenen oder Geburtstage sind kein Problem. Der Raum, um kreativ zu sein ist gegeben und die Zeit ist glücklicherweise auch da.

– Können Angehörige von weiter weg vor Ort auf Station Abschied nehmen? Wie lange ist ein Verstorbener auf Station?

Ja, das ist möglich. Es gibt zum verabschieden beispielsweise auch einen Raum der Stille. So kann ein neuer Patient aufgenommen werden, da das Zimmer ja frei ist aber man kann sich in würdevoller und schöner Umgebung noch verabschieden. Auch kann das Zimmer runter gekühlt werden.

Raum der Stille.
Raum der Stille, links ein Klavier.


Patienten verbleiben 24 h auf Station. Das Personal fragt auch nach, ob jemand von weiter weg kommt, und wann derjenige dann in etwa da ist.

 – Was sind die Aufgaben einer Schwester, wenn der Patient verstorben ist?

Grundlegende Dinge sind gleich, manche sind von Schwester zu Schwester verschieden. Ich werde mal das aufzeigen, was mir die Schwester , mit der ich mich unterhalten habe, als wichtig mit auf den Weg gegeben hat.

Zum einen wird das Fenster geöffnet, damit die Seele die Chance hat zu entweichen. Ihr ist es auch wichtig, dass der Patient einen Moment liegen kann, er Zeit zum lösen hat und man nicht gleich pflegerische Tätigkeiten an ihm ausübt.

Wichtig ist ihr, dass der Patient immer angesprochen wird, auch ich mache das so. Ich rede mit jedem meiner Patienten.

Medizinische Dinge, die entfernt werden dürfen, werden entfernt. Auf Palliativstation werden medizinische Geräte aus dem Zimmer geräumt. Die Palli ist auch die einzige Station, auf der eine richtige Kerze angezündet werden darf, wenn jemand im Raum ist. Das Zimmer wird dann für die Verabschiedung liebevoll dekoriert.

Leider waren alle Zimmer belegt, sodass ich keine Möglichkeit hatte, hier ein Zimmer zu zeigen.

Wenn der Patient im Vorfeld bestimmte Kleidung ausgesucht hat, dann wird diese angezogen.

Verstirbt ein Patient, dann ruft meistens die Schwester bei den Angehörigen an, da meist ja doch ein Vertrauensverhältnis aufgebaut wurde.

Das letzte Bild des Patienten soll für die Angehörigen würdevoll sein, das ist allen sehr wichtig.


Aber die Hinterbliebenen müssen auch aufgefangen werden. Wer seinen Liebsten selbst versorgen möchte, der hat die Möglichkeit dazu. Ihnen wird aber auch von den Schwestern und Pflegern ein verbaler Leitfaden mit auf den Weg gegeben. Was ist nach dem Versterben alles zu erledigen, was muss geklärt werden? Dazu gibt es auch ein Informationsblatt für Verbliebene.

Generell müssen die Angehörigen auf die Zeit, die nun kommt vorbereitet werden, das ist sehr wichtig! Wenn das Team der Palli da an seine Grenzen stößt, dann kann für den Moment auch der Psychoonkologe Herr Hentschel zum Auffangen kontaktiert werden. Er kann die Hinterbliebenen nicht nach dem Krankenhaus betreuen aber zumindest in dem Moment da sein. Auch sollte man immer nachfragen bzw. die Möglichkeit geben, dass sich Kinder verabschieden können. Erstaunlicherweise verkraften sie das deutlich besser, als so manch Erwachsener.

Charly, das Stationsmaskottchen. Vor allem für Kinder, die zu Besuch anwesend sind sehr wichtig.

Wichtig zu beachten sind auch die verschiedenen Religionen. Frau Wunderwald, die ökom. Pfarrerin kann beispielsweise das „Vater unser“ sprechen oder wenn gewünscht Aussegnen. Andere Kulturen haben ganz andere Wünsche/ Bräuche. Hier kann man einfach drauf ein gehen und man sollte jeden Wunsch respektieren.

Ist ein Patient verstorben, dann wird an die Tür ein Engel gemacht, damit jeder weiß, dass man das Zimmer nicht betreten soll.

Der Engel für die Tür, dahinter das Licht, welches bei Versterben angemacht wird und die Rosenköpfe im Hintergrund.

Auch bekommt jeder Patient eine Rose auf das Bett gelegt. Wird der Patient abgeholt, dann nimmt die Schwester/ der Pfleger diese Rose und schneidet den Kopf ab. Dieser wird dann in ein Glas an der Eingangstür gelegt, zusätzlich wird ein Licht angemacht als Zeichen, dass jemand verstorben ist und, um ihn zu würdigen. Die Rosenköpfe werden dann getrocknet und zum Jahresgedenken, welches einmal im Jahr stattfindet mitgenommen.

Dazu werden alle Angehörigen eingeladen, die Namen der Verstorbenen werden einzeln vorgetragen und es wird Musik gespielt. Die symbolischen Rosenköpfe werden am Seelsorgezetrum unter den Rosenstrauch gegeben.

Hier gibt es dann Kaffee und Kuchen als kleinen Imbiss, die Angehörigen können sich nochmal mit dem Personal austauschen und alle haben einen Abschluss.

Was muss ein Arzt nach dem Versterben machen?

Die Leichenschau nach 2 Stunden ist verpflichtend. Auf der Palli ist die Zeit manchmal etwas individueller. Der Totenschein muss ausgefüllt werden und ggf. muss er die Angehörigen informieren.

– Wie ist der Betreuungsschlüssel?

In der Regel sind im Frühdienst 4 Pflegepersonen da, im Spätdienst 2 bis 3 und im Nachtdienst eine. Früh betreut eine Schwester 2 bis selten mal 3 Patienten, im Spätdienst 3 bis 4 Patienten und im Nachtdienst dann alle 10 Patienten.

– Was ist der Unterschied zwischen Palli und Normalstation? Welches Mehrangebot gibt es hier?

Die Beantwortung der Frage kommt der Antwort aus der Frage, welche Freiräume es gibt fast 1 zu 1 gleich. Daher verweise ich gern auf diese Frage/ Antwort.


Ich hoffe, dass ich gut vermitteln konnte, wie die Arbeit so auf Palliativstation ist. Keine Frage, die Arbeit ist anstrengend, vor allem auch mental. Toll finde ich, dass das Team füreinander einsteht. Geht es einem mal nicht gut, nimmt einen ein Schicksal zu sehr mit, dann ist das Team füreinander da. Auch muss nicht einer das Schicksal von einem Patienten, der schon lange da ist mit sich ausmachen. Es wird dann drauf geachtet, dass die Aufteilung der Patienten auch mal variiert.

In regelmäßigen Abständen finden Supervisionen statt. Hier ist ein geschützter Rahmen und Raum, um über belastende Situationen zu sprechen. Dinge nochmal zu reflektieren usw.


Auch ich habe mit dem Thema sterben im Krankenhaus viele Erfahrungen gemacht. Um ehrlich zu sein erinnert man sich an die meisten Patienten nicht. Manche Geschichten berühren ein sehr, nehmen einen mit aber man muss für sich einen Weg finden, damit gut umzugehen.

Ich erinnere mich an eine Angehörige eines Arztes. Ich habe sie fast eine Woche am Stück betreut, man wusste, was sie mochte, was nicht und man wusste genau, wann sie einfach auch ihre Ruhe haben möchte. Der Arzt merkte, dass ich mich wirklich bemüht habe, sie 1 zu 1 zu betreuen, trotz anderer Patienten. Dank meiner Kollegen war das aber auch möglich, da sie mir den Rücken frei hielten. Eines Tages war dann der Tag gekommen, es war Zeit, Abschied zu nehmen. Für mich aber auch für die Angehörigen war das über den ganzen Zeitraum ersichtlich und so hatte jeder die Chance und die Zeit, sich im Vorfeld zu verabschieden. Als es in meinem Spätdienst dann soweit war, saßen ich und der Arzt am Bett. Ich gab ihm mehrfach das Zeichen, dass ich auch gehen könnte. Aber er gab mir zu verstehen, dass es gut ist, wenn ich dabei bin. Und so haben wir es uns und ihr so gemütlich wie möglich gemacht. Ich hatte LED Kerzen aufgestellt, draußen war allmählich die Dämmerung eingetreten und eine Aromalampe mit dem Lieblingsduft der Patientin hatte ich aufgestellt. Und so saßen wir am Bett, einer rechts, einer links, händchenhaltend mit der Patientin. Er erzählte mir von ihrem Leben… es war der einzige Moment, in dem ich viel über die Patientin erfuhr. Und man merkte, dass ihr der Rückblick scheinbar auch gefiel. Sie wirkte entspannt und zufrieden. Neben häufigeren Mundpflegen, Hand auf den Brustkorb legen, damit die letzten Atemzüge nicht so schwer sind und Hand halten, hielten wir oft auch inne. Die Atemaussetzer waren immer länger… oft dachten wir, sie hat es geschafft, doch dann kam immer noch ein Atemzug. Wir wussten, dass sie nicht leidet, sie bekam ärztlich angeordnet Morphin über den Perfusor. Eine leichte Dosis, die aber reichte, um Leiden zu mindern. Irgendwann war dann der letzte Atemzug, gefühlt vergingen Minuten, bis wir was sagten, da wir nicht wussten, ob nun noch ein Atemzug kam. In Wirklichkeit war es aber nicht so lang. Sie sah friedlich aus, ihr Angehöriger wirkte erleichtert und bedankte sich. Ich saß noch 5 Minuten da, bevor ich beide verließ. Später kamen noch die Angehörigen, um sich zu verabschieden. Natürlich war das möglich.

Und nun kommt der Part, indem eine Pflegekraft noch einiges zu tun hat. Ich bereite dem Arzt, der zur Leichenschau kommt immer schon den Totenschein vor. Rein schreiben darf ich nichts aber ich lege immer gern alles mit dem Briefumschlag zurecht. Den Fußzettel bereite ich vor.

Totenschein und Fußzettel


Bevor die Angehörigen kommen, bereite ich den Patienten vor. Richtig lagern ist hier sehr wichtig, denn irgendwann setzt die Totenstarre ein. Ich lege die Patienten also auf den Rücken, meist mit den Händen zusammen auf dem Bauch, so, dass sie eine Blume halten können. Im Frost hatten wir auf der Onkologie immer Rosen. Diese gab es dann für die Patienten. Ich kleide sie auch nochmal neu ein und wasche ein wenig. Manchmal fließen nach dem Versterben Exkremente in die Windelhose oder auf die Unterlage. Das mache ich natürlich frisch. Die Bettdecke geht soweit, dass die Hände raus schauen. Die Augen schließe ich, wenn sie offen sind und den Mund versuche ich ebenfalls zu schließen. Aber nicht wie man es aus einem schlechten Film kennt mit hoch binden. Ich rolle ein Handtuch und lege es unter das Kinn, meist ist die Totenstarre beginnend eingesetzt und ich kann das Handtuch entfernen, bevor die Angehörigen kommen. Manchmal muss man auch gar kein Handtuch nutzen, dann ist der Mund von allein zu. Die LED Kerze verbleibt auch beim Patienten, bis er abgeholt wird. Nachdem dann alle zum verabschieden da waren, decke ich den Patienten komplett zu.


Übrigens kam von dem Arzt Wochen später eine Danke Karte mit einem kleinen Geschenk. Ich habe mich wirklich sehr gefreut und habe die Karte und das Geschenk bis heute noch zu Hause.


Ich erinnere mich auch noch gut an eine Patientin, die noch jung war. Krebs und wir wollten am gleichen Tag noch mit Chemotherapie beginnen. Auch hier hatte ich Spätdienst und übernahm die Patientin. Binnen weniger Stunden wussten wir alle, dass es die Dame nicht schaffen würde. Sie wollte aber die Chemo noch haben, also starteten wir. Ihr Zustand verschlechtere sich rasch. Sie sprach plötzlich nicht mehr, sie hatte eine brodelige Atmung. Nicht untypisch, das habe ich schon oft beobachtet. Ich holte also wieder die Kerze und setzte mich zu ihr. Es war kein Angehöriger da, ich kannte die Patientin nur wenige Stunden und wusste nicht wirklich, was ihr gut tun könnte. Also saß ich an ihrem Bett, wieder händchenhaltend und hielt kurz inne. Ich versuchte herauszufinden, was ihr denn gut tun könnte. Ihr Gesicht war schmerzverzehrt, ich wusste anhand der Diagnosen, dass sie oft Rückenschmerzen hatte. Also versuchte ich sie besser zu lagern. Ihr Gesicht entspannte sich allmählich. Ich setze mich wieder zu Ihr und beobachtete und versuchte auf sie einzugehen. Die Ärzte hatten derweil die Angehörigen informiert… sie wollten nicht kommen. Es steht mir nicht zu, darüber zu urteilen aber ich fand es anfangs schade, dass sie nicht kamen. Im nachhinein war mir klar, dass es so das Beste war. Es gab einen Moment, der mir zeigte warum. Ich musste kurz aufs WC, ich sagte ihr das und sagte ihr auch, dass ich wieder komme. In den paar Minuten hatte sich ihr Herzschlag so verlangsamt, dass sie fast allein gestorben wäre. Vielleicht wollte sie es so. Ich setzte mich die letzten Sekunden noch ruhig an Ihr Bett. Sie wirkte entspannt. Ob ich es in der Situation gewesen wäre, ich weiß es nicht. Ich stelle es mir schrecklich vor, früh ins Krankenhaus zu kommen, eine infauste Prognose zu erhalten und kurz darauf zu sterben. Viel Zeit das zu verarbeiten hatten weder sie, noch ihr Mann und ihre Kinder. Dennoch glaube ich, dass ich es ihr so „schön“ wie möglich gemacht habe.

Das war übrigens der Himmel an dem Abend über dem UKD.

Viele haben sicherlich Angst davor, dass die Angehörigen im Krankenhaus sterben. Sicherlich ist das Thema allgemein kein Thema, über das man gern nachdenkt. Manchmal lässt es sich aber nicht vermeiden und der Patient stirbt im Krankenhaus. Ich möchte jedem die Angst davor nehmen und euch mit auf den Weg geben, dass wir stets unser bestes tun, den Patienten so gut wie möglich zu begleiten, wenn das denn erwünscht ist. Aber genauso wichtig ist es uns auch, die Angehörigen mit aufzufangen. Aus dem Grund gibt es am UKD einen Flyer, den wir den Hinterbliebenen mitgeben. Dort gibt es wertvolle Tipps, was nun beachtet und geklärt werden muss.

2 Gedanken zu “Nachgefragt im UKD- Ossilinchen trifft die Palliativstation

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