Uniklinik Dresden

Nachgefragt im UKD- Ossilinchen trifft die ANE- ITS für das Thema ECMO

Bildquelle: UKD

Das Thema ECMO scheint einige von euch zu interessieren. Schon im April habe ich die ersten Anfragen bekommen, dieses Thema zu behandeln. Heute ist es soweit und ich werde euch die ECMO erklären. Ich werde euch aber auch zeigen, dass die ECMO nicht erst seit Corona bei uns im UKD ein Thema ist und was dazu noch alles so wichtig ist.

Damit ich euch das Thema aber fachlich korrekt erkläre, habe ich mich mit Marco Reinhardt getroffen. Er ist die Stationsleitung der ANE-ITS (anästhesiologische Intensivstation) und Fachkrankenpfleger für Anästhesie und Intensivtherapie.


Doch bevor ich mit euren Fragen starte, möchte ich euch erstmal erklären, was die ECMO überhaupt ist.


Ausgeschrieben heißt ECMO „extrakorporale Membranoxygenierung“. Sie ist ein extrakorporales (außerhalb des Körpers) Organersatzverfahren zur Behandlung schwerster respiratorischer und kardialer Erkrankungen. Also schwerste Erkrankungen der Lunge oder des Herzens. Diese Unterstützung kommt bei Patienten zum Einsatz, bei denen trotz anderweitiger Behandlungsmethoden keine ausreichende Organfunktion erreicht wird. Damit wird der Gasaustausch, der von der eigenen Lunge des Patienten nicht mehr bewältigt werden kann, ermöglicht bzw. ersetzt, um die Atemfunktion sicherzustellen.


Es gibt im UKD ein ECMO Team welches sich aus speziell geschulten Pflegekräften und erfahrenen anästhesiologischen Intensivmedizinern zusammensetzt.
Über die ECMO Hotline können andere Häuser mit dem diensthabenden Arzt Kontakt aufnehmen und die Situation des Patienten besprechen. Bei Bedarf wird die ECMO direkt im externen Haus durch das ECMO Team angeschlossen und der Patient wird dann boden- oder luftgebunden ins UKD gebracht.

  • Wann kommt eine ECMO in Frage?

Bevor wir zu den Indikationen kommen ist es wichtig zu Wissen, welche Formen der ECMO es eigentlich gibt.

Es gibt zwei Formen der ECMO:

1. Veno-arterielle ECMO (VA ECMO)
Bei diesem Verfahren werden sowohl das Herz als auch die Lunge unterstützt. 
Über eine große Kanüle in der rechten Leistenvene wird das sauerstoffarme Blut aus dem Patienten zum Oxygenator gepumpt. Von dort gelangt über eine große Kanüle in der linken Leistenarterie das aufbereitete Blut unter Umgehung des Herzens direkt in den großen Kreislauf, in die Aorta zurück. Der Lungenkreislauf wird hierbei also umgangen, das Herz entlastet und die Durchblutung der Herzkranzgefäße verbessert.

Indikationen hierfür wären:

  • eine Reanimation
  • eine Lungenarterienembolie (LAE) / Herzinfarkt
  • ein Patient, der massiv unterkühlt ist und erwärmt werden muss (Beispielweise jemand, der im Winter in die Elbe springt und nur noch eine Temperatur von 27 °C hat)
  • Auch im OP kann eine VA ECMO zum Einsatz kommen, beispielsweise bei einer Aorten OP, bei der die ganze Aorta ersetzt werden muss. Durch die ECMO ist die Durchblutung der Bauchorgane gesichert und der Operateur gewinnt etwas Zeit.

2. Veno-venöse ECMO (VV ECMO)
Dieses Verfahren unterstützt nur die Lunge.
Über eine große Kanüle in der rechten Leistenvene wird das sauerstoffarme Blut aus dem Patienten zum Oxygenator gepumpt. Mittels einer großen Kanüle in der anderen Leistenvene, oder über eine große Halsvene gelangt das aufbereitete Blut zurück in die untere, bzw. obere Hohlvene vor das rechte Herz. Das bereits sauerstoffreiche Blut durchfließt also bei diesem Verfahren noch das rechte Herz, den Lungenkreislauf und das linke Herz, bevor es in den großen Kreislauf gelangt.

Hier schafft die Lunge auch mit Unterstützung der Beatmung den Gasaustausch nicht mehr.

Indikationen hierfür wären:

  • eine schwere Pneumonie (Lungenentzündung)
  • eine schwere Prellung der Lunge, sie kann also vorübergehend nicht richtig arbeiten.
  • ein akutes Lungenversagen (ARDS)
  • Manchmal sind es auch vorübergehend Patienten, die eine VV ECMO bekommen, die einen schwerst verlegten Atemweg haben, beispielsweise einen Tumor, der die Luftröhre so abdrückt, dass man keinen Tubus rein bekommt. Damit die Oxygenierung gesichert ist und ein Zugang für die Beatmung gelegt werden kann (in dem Beispiel dann eher eine Trachealkanüle), kann eine ECMO verwendet werden.

Das ist allgemein sehr wichtig zu wissen, die ECMO ist eine vorübergehende Therapie!

  • Was ist der Unterschied zur Herz- Lungen- Maschine?

Ein ECMO-Gerät ist ein spezieller Oxygenator, genauer ein Membranoxygenator, der technisch einer Herz-Lungen-Maschine gleicht.

Je nachdem, welche ECMO angelegt wird, ist sie mit der Herz-Lungen- Maschine gleich zu setzen. Das ist beispielsweise bei der VA ECMO der Fall.

Mit Hilfe einer Pumpe wird über einen großen Gefäßkatheter kontinuierlich eine definierte Blutmenge pro Minute (im Schnitt sind das 5 bis 6 Liter) aus dem Körper des Patienten durch einen Membran-Oxygenator gepumpt. Dieser Oxygenator ersetzt den Gasaustausch in der Lunge: Er entfernt Kohlendioxid aus dem Blut und reichert es mit Sauerstoff an. Nach der Passage des Oxygenators gelangt das aufbereitete Blut über einen weiteren großen Gefäßkatheter zurück in den Blutkreislauf des Patienten.

Die VV ECMO hat keinen Einfluss auf das Herz, daher ist sie nicht mit der Herz-Lungen-Maschine gleich zu setzen.

Der Unterschied zu den Herzchirurgen und der Herz-Lungen-Maschine ist nur, dass die Kardiochirurgen näher ans Herz ran gehen, der Thorax (Brustkorb) eröffnet ist.

  • Wie wird im laufenden Betrieb die ECMO kontrolliert? Gibt es spezielle Blutabnahmen?

Das System muss permanent auf Materialermüdung oder Lecks kontrolliert werden. Schließlich werden 5 bis 6 Liter Blut pro Minute durch das System gepumpt. Ein Leck oder Materialermüdung können hier lebensgefährlich sein.
Auch bei einem Stillstand der Maschine kann es zu lebensgefährlichen Komplikationen kommen.

Auch muss die Membran muss auf Clots (Gerinnsel) kontrolliert werden.


Weiterhin wichtig sind die Messwerte am System. So zum Beispiel die Drücke und die Ansaugdrücke. Das System arbeitet mit Sog, sind die Ansaugdrücke zu hoch, so kann es passieren, dass das System nicht richtig arbeiten kann, weil es sich irgendwo ansaugt.

Man kann zusätzlich mittels einer Blutgasanalyse (BGA) schauen, ob die ECMO noch richtig funktioniert. Das macht man, indem man nach der Membran Blut abnimmt. Die Sauerstoff Oxygenierung (PaO²) müsste hier sehr, sehr hoch sein, damit man sagen kann, dass die Funktion gegeben ist. Man nennt das ein „Postoxygas“.

Sollte dieses Gas schlecht sein, dann kann es sein, dass ein neues System aufgebaut werden muss.

Es gibt ECMO Zentren in Deutschland, die regelmäßig ein Postoxygas bestimmen. Allerdings darf man nicht vergessen, dass das immer eine Manipulation am System ist. Daher ist die Abnahme gut abzuwägen.

  • Welche pflegerischen Standards hat die ANE ITS bei einem Patienten mit ECMO?

Was man wissen sollte ist, dass eine Pflegekraft das Zimmer nicht einfach verlassen darf. Möchte sie auf die Toilette oder zur Pause, dann muss sie von jemandem abgelöst werden. Ein einfaches „ich geh in die Pause, schau bitte auf meine Patienten“ geht hier nicht.

Auch sind immer Notfall Sachen am Bett, z.B. ECMO Klemmen oder eine Notfallkurbel, die den Antrieb der Maschine im Notfall gewährleistet.

Auch beim Thema Verbände gibt es einen Standard: Die Eintrittsstellen der Kanülen werden täglich gereinigt und neu verbunden.

Auch die Fixierung der Kanülen ist fest vorgeschrieben. So sind diese 6fach angenäht, mit Kabelbinder zusammengebunden und das ganze wird nochmal mit Schaumstoffband am Bein oder an der Stirn des Patienten befestigt.

Gewisse Labor Parameter werden individuell von Patient zu Patient besprochen und zählen hier nicht als Standard rein.

  • Wurde die ECMO am UKD aufgrund von Corona häufiger genutzt?

Nein!

  • Wie viele Patienten sind im UKD pro Jahr an der ECMO?
Quelle: UKD
  • Wie vielen Patienten hilft die ECMO?

Konkrete Zahlen kann man hier nicht nennen. Je jünger der Patient, desto besser das „Outcome“.
Desto früher man mit der ECMO beginnt, desto besser ist das ebenfalls für das Outcome. Allerding ist wichtig zu wissen, dass man bevor man eine ECMO anschließt erst einmal andere Wege probiert. Beispielsweise eine Bauchlagerung.

  • Gibt es Kontraindikationen?

Ja, die gibt es.

Bei einer VA ECMO sind das folgende:

  • Während einer Reanimationssituation ein nicht beobachteter Herzstillstand, heißt: keiner kann sagen, wie lange der Patient schon liegt.
  • Eine Reanimation, die schon sehr lange andauert.
  • Multimorbide und sehr schwer kranke Patienten.
  • eine schwere, maligne (bösartige) Grunderkrankung.

Bei einer VV ECMO sind das folgende:

  • Multimorbide und sehr schwer kranke Patienten.
  • eine schwere, maligne (bösartige) Grunderkrankung.
  • Patienten, die länger als 7 Tage mit sehr hohen Drücken beatmet wurden. Dadurch ist das Lungengewebe zerstört und auch eine ECMO würde keinen Erfolg bringen. Was einmal zerstört ist, ist zerstört!

Generell ist auch eine Patientenverfügung, die eine ECMO ausschließt eine Kontraindikation.

Auch schwere neurologische Schäden, die nicht mehr heilbar sind, sind eine Kontraindikation für die ECMO Therapie.

  • Wer darf Patienten mit ECMO betreuen?

Es ist kein Muss, dass man Fachschwester oder Fachpfleger ist ABER man muss eine gewisse fachliche Reife haben. Jemand frisch aus der Ausbildung ist einfach noch nicht in der Lage, einen Patienten an der ECMO zu betreuen.
Die Person sollte über ein überdurchschnittliches Wissen verfügen, da sind Themen wie Beatmung und das Herzkreislaufsystem essentiell wichtig!

Um einen Befähigungsnachweis zu haben, bietet das UKD im ISIMED (Interdisziplinäres Simulationszentrum Medizin Dresden) einen ECMO Workshop an. Dieser Workshop findet zweimal im Jahr statt. Eine Auffrischung sollte alle zwei Jahre stattfinden.
Der Workshop erstreckt sich über einen ganzen Tag und behandelt sowohl Theorie, als auch die Praxis. Beispielsweise wie ein ECMO System aufgebaut wird.

Ärzte und erfahrene PflegerInnen bilden hier gemeinsam das Team für die Workshop Teilnehmer.

Besondere Vorkommnisse oder Vorfälle, die so noch nie passiert sind werden im Team intern ohne Workshop zusätzlich noch besprochen.

Ein Patientenbett mit ECMO (vorn links) und Beatmung (hinten rechts). Hinter der Beatmung zu sehen sind Perfusoren zur Medikamentengabe. Hinten links der Monitor zur Überwachung der Vitalwerte. Der kleine Monitor über dem Bett gehört zur Beatmung „ELISA“ und zeigt die wichtigsten Daten der Beatmung. Einstellungen können hier vorgenommen werden. Nicht zu verwechseln mit der ECMO! Ein Patient ist trotz ECMO zu 98% beatmet.
Bildquelle: UKD
  • Wie viele Patienten an der ECMO können zeitgleich auf ANE ITS betreut werden?

Rein von den Maschinen her sind 11 ECMOs auf ANE ITS vorhanden, eine davon ist immer Reserve. Also maximal könnte man 10 Patienten mit laufender ECMO betreuen. Das würde aber auch eine Umstrukturierung im Team bedeuten, da ein ECMO Patient einen deutlich höheren Aufwand bedeutet.

Die klassische Saison für ECMOs sind die Wintermonate Januar bis April. Hier ist einfach die Saison für Lungenentzündungen und Grippe. In allen anderen Monaten gibt es natürlich auch ECMO Patienten, denn der Herzinfarkt ist nicht vom Wetter abhängig.


Es gibt übrigens nur ganz wenig Fälle, bei denen die Patienten eine ECMO haben, aber nicht beatmet sind. Zu 98% sind die Patienten beatmet.


Übrigens noch ein kleiner Funfact für dich über die ANE ITS:
Die ca. 2000 Patienten, die pro Jahr auf der anästhesiologischen Intensivstation behandelt werden, setzen sich zu ca. 60% aus postoperativ zu betreuenden Patienten der aller operativen Disziplinen und ca. 40% akute Notaufnahmen zusammen. Diese zweite große Gruppe umfasst Patienten mit Sepsis oder septischem Schock, mit Polytrauma, Schädel-Hirn-Trauma oder intrakraniellen Blutungen sowie Patienten, die ein akutes Lungenversagen entwickelt haben. Außerdem erfolgt die Zuweisung von Patienten aus auswärtigen Krankenhäusern, wenn die erforderlichen diagnostischen und/oder therapeutischen Möglichkeiten dort nicht zur Verfügung stehen oder ausgeschöpft sind.


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Die zuständige PDL Frau Zimmer durfte ich schon einige male persönlich kennenlernen, sie war unteranderem heute bei dem Termin dabei. Ich habe sie immer als sehr freundlich und interessiert am Mitarbeiter kennengelernt. Ich war erstaunt, wie sie sich die ganzen Namen der Kollegen merken kann und auch darüber, dass man sie jederzeit ansprechen kann, wenn sie auf den Stationen vorbei kommt.

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