Uniklinik Dresden

Nachgefragt im UKD- Ossilinchen trifft die Abteilung für Plastische & Handchirurgie

An was denkst du, wenn ich dir die Worte „PLASTSICHE CHIRURGIE“ nenne?
An Fett absaugen, Brustvergrößerungen, reiche Menschen mit übergroßen Lippen und zu viele Autos in der Tiefgarage?

Wärst du sehr enttäuscht, wenn ich dir sage, dass das Feld Plastische Chirurgie viel mehr mitbringt, als nur das?

Was denkst du, wer operieren muss, wenn nach der Therapie des Brustkrebs ein Brustaufbau (ohne Silikon) nötig ist? Oder wer muss ran, wenn man sich zu Hause an der Konservendose so stark schneidet, dass die Beugesehne an der Hand durchtrennt ist? Hast du schon mal überlegt, was passiert, wenn man einen Arbeitsunfall mit einer Kreissäge hat und dadurch Finger amputiert wurden? All das und noch viel mehr operieren die Ärzte aus dem Team der Plastischen & Handchirurgie!


Heute stelle ich dir die noch relativ junge Abteilung der Plastischen & Handchirurgie im UKD vor, die aber keinesfalls unwichtig ist. Du wirst staunen, wie viele Tätigkeiten der Bereich abdeckt.

Gegründet wurde die Abteilung am 1. Juli 2017. Das ärztliche Team bietet das gesamte Spektrum der Plastischen und Ästhetischen Chirurgie sowie der Handchirurgie an. Dies beinhaltet insbesondere die Behandlung von akuten Notfällen auf dem Gebiet der Handchirurgie sowie der Behandlung thermischer Verletzungen.

Prof. Dr. med. Dragu ist Abteilungsleiter der Plastischen & Handchirurgie und erzählte mir, dass eigentlich in jedem Dienst mindestens ein Patient mit einer Handchirurgischen OP pro Tag da ist, oft sogar mehr. Rund 60% der behandelten Patienten fallen in das Gebiet der Handchirurgie.

Der große Bereich Plastische & Handchirurgie gehört zum OUPC- dem Universitätszentrum für Orthopädie, Unfall- & Plastische Chirurgie.


Die Plastische Chirurgie ist ein eigenständiges Facharztgebiet welches aus 4 Teilbereichen besteht:

  • Rekonstruktive Mikrochirurgie

Rekonstruktion – was ist das?

  • Die Rekonstruktive Chirurgie ist neben ästhetischer Chirurgie, Verbrennungschirurgie und Handchirurgie eine der vier Säulen der Plastischen Chirurgie.
  • Rekonstruktion ist ein sehr weitgefasster Begriff, konkret umfasst dies die Lokalbehandlung sogenannter schwieriger (chronischer) Wunden bis hin zum freien Gewebetransfer mit mikrochirurgischem Gefäßanschluss.

Beispiele hier sind ein Patient, der nach einem Rektum- Karzinom komplett operiert wurde und salopp gesagt nun ein großes Loch hinten hat. Oder auch ein Patient, bei dem aus bestimmten Gründen das Brustbein entfernt werden musste. Da fehlt ja dann wirklich auch „Material“, zusätzlich zum „großen Loch“, welches da ist. Mittels spezieller Lappentechniken kann dieses Loch verschlossen werden.

Wie oben schon erwähnt ist auch der Aufbau der Brust nach Brustkrebs eine Indikation für die Rekonstruktive Mikrochirurgie. Allerdings auch ein Patient, der sehr viel abgenommen hat und nach dem Gewichtsverlust eine „Fettschürze“ übrig hat. Natürlich muss das für das Wohlbefinden des Patienten wiederhergestellt werden und es gibt durchaus auch medizinische Gründe für diesen Eingriff.

Rekonstruktion – in mehreren Schritten zum Erfolg

Die Dauer einer Rekonstruktion hängt in hohem Maße von Ausgangsbefund und dem Patienten ab. Oftmals ist es notwendig nach einer Wundanfrischung und Vorbereitung der Wunde bzw. des Defektes mittels VAC-Therapie (Vacuumtherapie, eine Form der Wundversorgung) ein mehrzeitiges rekonstruktives Konzept zu wählen. Je nach geplanter Deckungstechnik muss postoperativ zur Sicherung des bestmöglichen Operationsergebnisses eine ein- bis zweiwöchige, stationäre, plastisch-chirurgische Nachbehandlung erfolgen.

Nach Entlassung erfolgt eine engmaschige Betreuung und Anbindung über die Sprechstunde.

Eingang der Ambulanz im Haus 59

Die Dauer der Behandlung ist daher sehr individuell und richtet sich nach dem Aufwand der Behandlung und der Art der Deckung.

  • Handchirurgie

Das Behandlungsspektrum umfasst frische Verletzungen und Folgezustände nach Knochenbrüchen, Sehnen und Bandverletzungen sowie Nerven- und Gefäßverletzungen der Hand.

Weiterhin stellen degenerative Veränderungen wie Verschleißerkrankungen einen Schwerpunkt dar. Das Spektrum der Krankheitsbilder umfasst auch Folgezustände nach fehlverheilten oder unbehandelten Verletzungen.

Neben der bildgebenden Diagnostik inkl. Computertomographie, MRT und Ultraschall, stellt die klinische Untersuchung und Beratung den Grundstein der Therapie dar.

Im ambulanten Operationszentrum im Haus 51 können eine Vielzahl von Operationen durchgeführt werden, wenn es die Größe des Eingriffes und Begleiterkrankungen erlauben. Häufig können diese Eingriffe in „Armbetäubung“ oder örtlicher Betäubung neben der Allgemeinnarkose durchgeführt werden.

Im Operationssaal stehen neben modernen handchirurgischen Implantaten auch ein modernes OP-Mikroskop für mikrochirurgische Gefäß-/ oder Nerveneingriffe zur Verfügung.

Zur Möglichkeit der ambulanten OP im Haus 51 gibt es auch immer einen OP Saal im Haus 32, der täglich befahren wird. In der Regel werden so 2 OP Säle pro Tag von der Abteilung Plastische & Handchirurgie bedient.

Die Notfallversorgung und Behandlung sämtlicher privater Unfälle sowie Arbeitsunfälle erfolgt über die chirurgische Notaufnahme.

Behandlungsschwerpunkte zusammenfgefasst:

  • Notfallversorgung von frischen Handverletzungen inkl. Arbeitsunfällen über die chirurgische Notaufnahme (24- stündiger Bereitschaftsdienst inkl. OP-Bereitschaft)
  • Nervenkompressionssyndrome der oberen Extremität
  • Morbus Dupuytren
  • Knochenbruchbehandlung des Handskeletts, konservativ bis zu modernen Osteosyntheseverfahren
  • Operationen bei Sehnenscheidenengen
  • Chirurgie der Sehnen der Hand, von der Behandlung frischer Sehnenverletzungen bis zur sekundären Rekonstruktion
  • Behandlung von Nervenverletzungen inkl. der mikrochirurgischen Rekonstruktion
  • Arthroskopien /Spiegelung des Handgelenkes
  • Behandlung bei Verschleiß der Finger-Gelenke und des Handgelenkes
  • Therapie von Weichteildefekten
  • Knochen-und Weichteiltumore der Hand
Sprechstunde:Donnerstag, 08.00 – 14.00 Uhr
Terminvereinbarung:0351/ 458-2006
  • Verbrennungschirurgie

Bevor wir zu den Verbrennungen kommen, möchte ich dir einen Überblick darüber geben, wann welcher Grad der Verbrennung zutrifft.

Grad der VerbrennungBetroffene HautschichtenKlinik
1EpidermisRötung, starker Schmerz, wie Sonnenbrand
2aOberflächige DermisBlasenbildung, Wundgrund rosig und rekapillarisierend, starker Schmerz, Haare fest verankert
2bTiefe Dermis (mit Hautanhangs­gebilden)Blasenbildung, Wundgrund blasser und nicht oder schwach rekapillarisierend, reduzierter Schmerz, Haare leicht zu entfer­nen
3Komplette DermisTrockener, weißer, lederar­tig harter Wundgrund, keine Schmerzen, keine Haare mehr vorhanden
4Unterhautfettgewebe, Muskelfas­zie, Muskeln, KnochenVerkohlung

Zählt ein Patient zu einem Schwerstbrandverletzten, dann wird er auf der speziellen Intensivstation in Leipzig behandelt. Dies trifft zu, wenn mehr als 20% der Körperoberfläche verbrannt sind. Dennoch kann es natürlich sein, dass diese Patienten dann erst einmal im UKD ankommen, hier stabilisiert werden und dann nach Leipzig gebracht werden.

Chirurgische Versorgung

Die Versorgung ist abhängig von der Tiefe der Verbrennung, bei Verbrennung des Grades II a-b können nach Débridement (chirurgische bzw. mechanische Entfernung) der betroffenen Hautareale, diese mittels einem synthetischer Hautersatz gedeckt werden.

Bei höhergradigen Verbrennungen/Verbrühungen, bei denen keine spontane Regeneration der Haut zu erwarten ist, müssen ebenfalls alle betroffenen Areale, teilweise auch Fett- und Muskelgewebe, entfernt werden. Bei speziellen Fällen müssen teilweise Entlastungsschnitte durchgeführt werden, um weitere Schäden der Muskulatur oder weiterer Weichteile zu vermeiden.

Anschließend erfolgt die Deckung wenn möglich mit Transplantation von eigener Haut mittels Spalthauttransplantation. Dabei wird ein Stück gesunde Haut (z.B. häufig vom Oberschenkel, jedoch abhängig von der Lokalisation der Verbrennung) in einer Dicke von ca. 0,2 mm entnommen und gitterförmig ausgedehnt auf die Defekt aufgebracht (Meshgraft-Deckung).

Spezielle Fälle sind Verbrennungen im Gesicht und an den Händen, hierbei wird die transferierte Haut zum optimalen Ergebnis im Normalfall nicht gemesht (keine gitterförmige Ausdehnung der Spalthaut), um ein ästhetisch optimales Ergebnis zu erzielen.

Neben der chirurgischen Intervention sind von entscheidender Bedeutung:

  • Schmerzbekämpfung mit ausreichender Analgesie
  • Psychologische Betreuung des Brandverletzten bei höhergradigen Verletzungen
  • Aufklärung über Narbenbehandlung ggf. Kontrakturbehandlung
  • Zeitnahe Bewegungstherapie
  • Beachten von psychiatrischen und psychosozialen Spätfolgen

Sowohl die neu gebildete, als auch die transplantierte Haut ist anfangs empfindlich gegenüber UV-Belastung (direktes Einwirken von Sonnenlicht) und mechanischer Belastung. Des Weiteren kann es sein, dass sie sich im Laufe der Zeit etwas zusammenzieht, die Hautfarbe sich von vergleichbaren Hautarealen unterscheidet  und / oder es zu einer Narbenbildung kommt. Infolge dessen können weitere Operationen notwendig werden.

  • Ästhetische Chirurgie


Unter der Säule der Ästhetischen Medizin werden formverändernden Eingriffe zusammengefasst, die nicht zwingend medizinisch notwendig sind, sondern vor allem auf Wunsch der Patienten nach umfassender Untersuchung und Beratung durchgeführt werden.

Das UKD, sowie die Abteilung für Plastische & Handchirurgie grenzt sich ganz bewusst vom nicht rechtlich geschützten Begriff der Schönheitschirurgie ab. Ästhetische Chirurgie wird bei uns im UKD ausschließlich von erfahrenen Fachärzten für Plastische und Ästhetische Chirurgie durchgeführt.

Schwerpunkte innerhalb dieser Teilbereiche sind:

  • Das gesamte Spektrum der elektiven (geplanten) Handchirurgie
  • Das gesamte Spektrum der Notfall Handchirurgie (24h Replantationsdienst, Revaskularisation und Replantation von schwerverletzten oder abgetrennten Gliedmaßen)
  • Mikrochirurgische Gewebetransplantationen am gesamten Körper inkl. aller Perforatorlappen zur Defektdeckung von Weichteildefekten nach Trauma, Tumor oder chronischen Wunden
  • Rekonstruktive Körperformung nach Gewichtsreduktion (Straffungsoperationen am gesamten Körper – insbesondere der weiblichen und männlichen Brust, sowie des Bauches und der Oberschenkel bzw. Oberarme)
  • Thermische Verletzungen (Verbrennungen, Verbrühungen, Verätzungen, Erfrierungen) aller Verbrennungsgrade und Ausmaße (außer thermische Verletzungen mit Zentrumsindikation)
  • Behandlung von Narben – insbesondere Verbrennungsnarben
  • Autologe Brustrekonstruktion (Wiederherstellung der weiblichen Brust durch Eigengewebe nach Brustkrebs)
  • Die operative Behandlung von chronischen Wunden (Problemwunden) inkl. Dekubitalulzerationen
  • Das gesamte Spektrum der ästhetischen Chirurgie 

Das Team der Abteilung für Plastische und Handchirurgie repräsentiert das Fachgebiet ebenfalls in Klinik, Forschung und Lehre.

Der Forschungsschwerpunkt der Abteilung besteht aus folgenden Bereichen:

  • Ischämie und Reperfusion von Gewebe (extrakorporale Perfusion)
  • Perfusionsstudien an Gewebe im Rahmen der negativen Unterdruckbehandlung
  • Evaluation chronischer Schmerzsyndrome an der Hand
  • Adipositasforschung

Wusstest du, dass man mittels 3D Druckern auch einen Biodruck herstellen kann. Also mittels Zellen kann man Gewebe für eine Transplantation, beispielsweise nach Verbrennungen herstellen. Auch mit Knorpel ist das möglich. Allerdings steckt dieses Projekt noch in den Kinderschuhen. Jedoch finde ich es absolut erstaunlich, was heutzutage möglich ist. Und genau das macht Forschung aus! Die Forschung hierfür sitzt im MTZ- Haus 91 im UKD.


Übrigens gibt es jeden Morgen eine große Besprechung, bei der die Fälle der aktuellen Nacht, vom vorhergehenden Tag und die geplanten OP´s besprochen werden. Ein weiterer positiver Aspekt der Besprechung ist auch, dass so eine doppelte Sicherheit gewährleistet ist, was die Identifikation des Patienten betrifft.


Das Fachgebiet ist ein wirklich sehr spannendes. Räumlichkeiten für eine eigene Station würde es im UKD geben, allerdings fehlt es komplett an der Pflege. Es gibt schlichtweg kein Pflegepersonal, welches die Patienten betreuen kann. Daher sind die Patienten hauptsächlich auf der OUPC-S2. Bei mehr als 10 Patienten werden diese dann auf andere Stationen wie beispielsweise die OUPC-S1, seltener auch auf die OUPC-S4 oder S5 verteilt.

Es gibt nicht wirklich viele Zentren für Plastische & Handchirurgie in Sachsen. Wenn du also wirklich Interesse an dem spannenden Fachgebiet hast, dann empfehle ich dir eine Initiativbewerbung (HIER klicken) mit dem Hinweis, dass du explizit Interesse an dem Fachgebiet hast.
Gern darfst du auch erwähnen, dass du durch mich, Sarah Küttner aufmerksam geworden bist.


Doch neben dem stationärem Part ist es auch wichtig zu wissen, dass es eine eigene Ambulanz gibt. Hier finden Verbandwechsel, die Sprechstunden und vieles mehr statt.

Vor allem hier, allerdings auch stationär ist das Team der Orthopädie- & Reha Technik sehr eng im Kontakt mit Arzt und Patient.

(2) Kommentare

  1. Danke für den Beitrag zum Thema Handchirurgie. Ich bin schon länger auf der Suche nach weiteren Informationen hierzu.

    1. Ossilinchen sagt:

      Gern 🙏

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