Elternratgeber

Ossilinchen´s Elternratgeber- alles, was du zum Thema Verschlucken und Ersticken wissen musst.

Es ist ein Thema, welches immer aktuell ist und es gibt Dinge, auf die Eltern immer achten sollten. Allerdings ist nun der Herbst da und da gilt es nochmal besonders Vorsicht walten zu lassen, denn Eicheln, Kastanien und Co. sollte man nicht unterschätzen.

In Zusammenarbeit mit Schwester Angela, Stationsleitung der Kindernotaufnahme im Haus 21 schreibe ich heute meinen zweiten Elternratgeber, der sich eben genau mit dem heiklen Thema „Verschlucken und Ersticken“ beschäftigt. Sie hat natürlich nochmal Rücksprache mit den Ärzten der KIK NA gehalten, damit wir fachlich sowohl ärztlich als auch pflegerisch auf der korrekten Seite sind.

Wir haben allgemeine Richtlinien zusammengetragen, auf die man immer achten sollte, gerade wenn es mit der Beikost los geht. Wir haben aber auch ein paar Tipps, was man zu Hause machen kann, wie man sich am besten verhält und wann man unbedingt den Notarzt rufen muss.
Außerdem werde ich euch einen kleinen Einblick in die Endoskopie in der Kinderklinik geben. Da gibt es allerhand Sammelsurien mit Dingen, die Kinder so verschluckt haben und die mittels einem Eingriff in Kurznarkose wieder raus geholt werden mussten.


Die generelle Gefahr, wenn ein Kind etwas in den Mund nimmt, was es nicht in den Mund nehmen sollte besteht darin, dass der Gegenstand in die Luftröhre gelangen kann und die Atmung erschwert ist. Im schlimmsten Falle kann das Kind ersticken, weil es keine Luft mehr bekommt. Allerdings können Kleinteile auch die sensible Schleimhaut verletzten oder im schlimmsten Falle bis in die Lunge geraten. Gleiches gilt auch, wenn die Kinder sich am Essen verschlucken, es kann genauso in die Luftröhre gelangen. Der „natürliche“ Weg vom Mund ist natürlich der in die Speiseröhre bis hin zum Magen. Aber jeder kennt es glaube ich selbst, wenn man sich an einem Brötchen oder ähnlichem verschluckt und man einen Hustenanfall bekommt, weil ein Krümelchen „in der falschen Röhre“ gelandet ist.

Daher möchte ich mal mit ein paar allgemeinen Hinweisen, die gerade zu Beginn der Beikost wichtig sind starten. Dabei ist es egal, ob man mit Brei startet oder mit Baby led weaning (BLW).

Wichtig beim Beikoststart
  • Erst beginnen, wenn dein Kind die Beikostreifezeichen hat. Mit denen signalisiert dir dein Baby, dass es bereit ist auch etwas anderes als Muttermilch (oder Pre-Nahrung) zu sich zu nehmen.

    -> Dein Baby kann mit wenig Unterstützung aufrecht auf dem Schoß sitzen. Die Rumpfspannung kann für die Dauer des Essens gut gehalten werden und der Kopf kann aufrecht und stabil gehalten werden. Dein Baby darf nicht zusammensacken oder zur Seite weg kippen.

    -> Der Zungenstoßreflex ist vollständig verschwunden oder sehr stark abgeschwächt. Der Zungenstreckreflex ist ein Schutzmechanismus, dein Baby ist also in der Lage zu schlucken.

    -> Die Hand- Mund- Augen- Koordination funktioniert. Dein Baby sieht also das Essen, greift gezielt danach, kann das Essen festhalten und es dann gezielt in den Mund nehmen. Viele Eltern verwechseln das gern mit der oralen Phase, in der alles in den Mund genommen wird.

    Meist ist das um den 6. Lebensmonat ABER jedes Kind ist anders, also gehe da bitte ganz ohne Druck und Stress ran.
  • Achte bitte darauf, dass dein Baby in einer aufrechten Position ist.
  • Lege dein Baby nicht hin, bevor du dir nicht sicher bist, dass der Mund leer ist.
  • Gib deinem Baby das Essen bitte immer mit Zeit und Ruhe. Ein zwischen Tür und Angel essen erzeugt Stress und das ist nicht gut.
  • Lasse dein Baby niemals allein.
Für die größeren Kids gilt beim Thema Essen folgendes:
  • Kinder bis 3 Jahren nicht unbeaufsichtigt essen lassen.
  • Auch die größeren Kids sollten sitzen und nicht mit dem Essen in der Hand oder im Mund wild umher rennen. Gerade bei Lollis ist Vorsicht geboten. Rennen die Kinder mit Lolli im Mund und fallen hin, so kann das zu bösen Verletzungen führen.
  • Auch hier gilt: nicht im liegen essen lassen!
  • Nüsse oder Schokolade mit Nüssen sind mit Vorsicht zu genießen, hier besteht ein hohes Risiko der Aspiration (Verschlucken).

Doch wie oben schon erwähnt, kann nicht nur das Essen zu einer Aspiration führen, sondern auch Kleinteile, die verschluckt werden können.
Vorsicht ist da bei Kindern unter 3 auf jeden Fall bei kleinteiligem Spielzeug geboten. Auch Lego Bausteine können gefährlich sein, daher lieber auf Lego Duplo zurück greifen, da die Steine größer sind, was nicht unbedingt heißt, dass nichts passieren kann. Kurz gefasst kann man sagen, dass man das Spielzeug altersgerecht wählen sollte.

Geburtstagsgeschenk meiner Tochter zum 2 jährigen, die Empfehlung ist von 2 bis 5 Jahren.

Aber auch bei größeren Kindern kann es dazu kommen, dass sie Kleinteile verschlucken. Ebenfalls kann es beim rum träumen und auf der Stifthülle rum kauen passieren, dass sich größere Kinder verschlucken können.

Haarspangen , egal ob Klein oder Groß können sehr gefährlich werden und da musste auch ich wirklich drüber nachdenken, denn auch meine Tochter trägt sie ab und zu. Dass auch diese verschluckt werden können, das hatte ich nicht auf dem Schirm. Diese sind ja doch etwas spitzer zulaufend und können zu Verletzungen führen.

Auch beim Basteln ist Vorsicht geboten, gerade Glitzersteine können sehr groß ausfallen und ebenfalls verschluckt werden.

Achtung auch bei zerplatzten Luftballons oder bei Taschentuchpackungen, die du deinem Baby/ Kleinkind in die Hand gibst. Gerade die Taschentuchlasche kann gefährlich werden, ebenfalls wie der Rest der Verpackung selbst.

Die kleine Verschlusslasche kann auch schnell mal abgerissen und dann verschluckt werden.

Gleiches gilt für Bügelperlen, die auch ich als Kind geliebt habe. Diese sollten wirklich nur unter Aufsicht genutzt werden.

Unbedingt auf dem Schirm sollte man Batterien und Knopfzellen haben!
Damit sind nicht nur die Batterien/Knopfzellen in Fernbedienungen, LED Kerzen, Autoschlüsseln und Co. gemeint, sondern auch Spielzeug mit Batterien.

Meine „Liste“ ist natürlich nicht vollständig, ich könnte noch ewig so weiter schreiben. Es sind eben Beispiele dabei, auf die man nicht gleich kommt.


Hat dein Kind etwas in den Mund genommen und noch nicht geschluckt, dann versuch erst einmal auf Augenhöhe mit deinem Kind zu reden. Stress, Anschreien, Panik, das bringt an der Stelle keinem etwas. Weder dir, noch deinem Kind. Frage dein Kind einfach ganz normal, was es denn da im Mund hat und dass du neugierig bist, es zu sehen. Versuche beeindruckt zu tun und gib deinem Kind zu verstehen, dass du das Teil im Mund auch gern sehen möchtest.
Sollte das nicht klappen, dann versuche desinteressiert zu sein aber lasse dein Kind bitte nicht allein. Meist klappt ein Weg davon. Sollte das nicht der Fall sein und dein Kind verschluckt das Teil, dann sollte man gerade bei Batterien unbedingt den Arzt aufsuchen, egal, ob es Probleme bei der Atmung gibt oder nicht. Schließlich ist der erste und normale Weg ja die Speiseröhre, bis hin zum Magen. Wie man bei den anderen Fällen reagiert, dazu komme ich weiter unten nochmal.
Lass dich bitte beim Arzt nicht abwimmeln, wenn dein Kind eine Batterie verschluckt hat. Manche sind der Ansicht, dass aus verschluckten Batterien keine Säure mehr austreten kann. Dem ist aber nicht immer so!

Verschluckte 3V Lithium Batterien sind ein Notfall!!!

Hat ein Kind eine 3V Lithium Knopfzelle geschluckt, dann ist das ein absoluter Notfall und es muss sofort in ein geeignetes Krankenhaus. Hier sollte dann mittels einem Röntgenbild geschaut werden, ob sie noch in der Speiseröhre steckt. So oder so muss sie sofort raus geholt werden, egal ob das Kind nüchtern ist oder nicht.

Bildquelle: Batterieflyer KEKS.org

Man soll als Mama oder Papa sein Kind natürlich nicht in Watte packen. Die Kinder sollen und müssen sich ausprobieren aber ich möchte mit dem Beitrag sensibilisieren, damit man bei manchen Dingen ein Auge auf die Situation hat. Je größer das Kind, desto besser kann man natürlich mit ihm sprechen.


Was tun, wenn das Kind wirklich etwas verschluckt hat?
  • Ruhe bewahren!
  • Hat das Kind starke Luftnot oder läuft blau an, dann muss der Rettungsdienst SOFORT gerufen werden.
  • Hustet das Kind untypisch, hat es „komische Atemgeräusche“, speichelt es vermehrt oder erbricht, dann sollte man schnell den Kinderarzt oder die Notaufnahme aufsuchen.
  • Hustet dein Kind effektiv, also so, dass der Fremdkörper raus kommt, dann ermutige dein Kind dazu, weiter zu husten. Man sollte immer darauf achten, dass die Atemwege offengehalten werden. Auch aspiriertes Erbrochenes kann gefährlich sein!

    Treten diese Symptome nicht auf und das Kind ist „wohl auf“, dann:
  • Beobachte dein Kind, bewahre genauso Ruhe!
  • Wenn es nicht blau anläuft, dann versuch mit einer Lampe im Hals zu schauen, ob du den Fremdkörper siehst.
  • Wenn sich dein Kind am Essen verschluckt hat, dann lasse es einen Schluck trinken (Wenn es keine Atembeschwerden hat!!!).
  • Ggf. kann man auch den Stuhlgang auf den Fremdkörper untersuchen, wenn dein Kind wirklich gänzlich beschwerdefrei ist. Das kann natürlich etwas länger dauern 🙂
  • Versuche deinen Kinderarzt (nicht die Notaufnahme, außer der Zustand ist lebensbedrohlich!) telefonisch zu erreichen, um das weitere Vorgehen zu klären.

Das Kind auf den Kopf stellen und auf den Rücken klopfen ist eher nicht mehr ratsam.
Was man stattdessen machen kann, das haben mir die Mädels von littlecare in einem Kurzvideo für euch zusammengefasst. Ich folge den Mädels nun schon eine Weile auf Instagram und ja, ich hätte selbst ein Video drehen können ABER die Mädels sind Kinderkrankenschwestern, arbeiten auf Station und geben auch Kindernotfallkurse. Sie haben kürzlich ein ähnliches Video veröffentlicht, bei dem ich sofort an meinen Elternratgeber dachte, daher habe ich sie angefragt. Warum also das Rad neu erfinden 🙂
Ein herzliches Danke an euch!!!

Danke an littlecare.

Ist das Kind bewusstlos, dann muss sofort mit der Reanimation begonnen werden! Am besten schult dich dafür ein Erste Hilfe Kurs, der thematisch speziell auf Babys und (Klein-) Kinder abzielt.


Wie oben versprochen wollte ich euch noch die Wand zeigen, die im UKD in der Endoskopie bei den Kindern existiert. Hier findet man einiges an Dingen, die Kinder verschiedenen Alters verschluckt haben, teilweise im Magen, teilweise in der Luftröhre.

Endoskopie Raum in der Kinderklinik.

Ich hoffe, dass ich dir mit dem heutigen Ratgeber etwas Wissen und auch Sicherheit mit auf den Weg geben konnte! Der Beitrag ersetzt in keinem Falle einen Besuch beim Kinderarzt. Jedes Kind ist individuell und aus dem Grund kann man nicht 1 zu 1 alles auf jedes Kind ummünzen.

Der Beitrag darf gern geteilt werden.

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